Um 8 Uhr fuhren wir los, waren rechtzeitig um 11 bei der Fähre in Rostock und fuhren danach durch ein verregnetes Dänemark. Unsere Freunde fuhren in ihrem eigenen Auto, wir blieben immer mehr oder weniger in Sichtkontakt. Das ist eine eigenartig schöne Art, Auto zu fahren. Kurz vor Kopenhagen trennten sich unsere Wege. Wir fuhren in Richtung Norden nach Helsingör zur zweiten Fähre, während sie dort rechts abbogen zur Öresundbrücke. Sie wollten noch einen Tag in Südschweden verbringen, bevor sie zu uns kommen. Wikingermuseum besichtigen und einmal in die Ostsee springen. Dass es regnet und das Ostseewasser niedrige Temperaturen führen würde, war nun nicht unbedingt Teil ihrer Planung einer Sommerreise gewesen. Später erfuhren wir, dass der zwölfjährige Sohen trotzdem ins Wasser gesprungen ist. Er hatte sich das schon lange vorgenommen, deswegen zog er das auch durch. Ich bin gespannt, dem jungen Mann irgendwann als Erwachsenem zu begegnen.
Als wir bei unserem Waldhäuschen ankamen, sprang die Hündin aus dem Auto und rannte minutenlang wie ein wildgewordenes Huhn um uns und um das Haus herum. Die Freude war ihr anzumerken.
Vor 5 Wochen verließen wir das Häuschen bei 5cm hohem Gras. Als wir heute ankamen, war es hüfthoch. Ich bin wirklich kein Freund von hohem Gras. Die Angst, auf irgendwas zu treten oder mir im Vorbeigehen eine Zecke mitzustreifen, lässt mich nahezu erlahmen. Deswegen grub ich auch den kleinen, elektrischen Handmäher unter der Treppe hervor und rasierte verschiedene Schneisen über die Wiese. Schneisen um das Auto herum, eine Schneise vom Auto zur Haustür, eine Schneise zur Scheune, zum Klo und eine Schneise einfach der Schneise wegen. Damit hatte ich ein vorläufiges Wegenetz, auf dem ich mich bewegen konnte.
Meine Frau hält mich für hysterisch. Aber bei hohem Gras muss ich oft an den Mittleren Westen der USA denken. Was viele Menschen nämlich nicht wissen, ist, dass die weite, endlose Prärie vor Ankunft der Europäer eine ziemlich unpassierbare Gegend gewesen ist. Erst als die Spanier mit ihren Pferden kamen, konnten die Eingeborenen ins hohe Gras vordringen und wesentlich effizienter Büffel jagen. Just saying. Durch meine Abneigung gegen hohes Gras stehe ich in einer Reihe mit alten Naturkulturen.
Morgen werde ich mit meinem neuen Benzinmäher die Flächen kürzen. Danach geht es mir gut.
Einer der dringlichsten Punkte auf meiner Liste war es, den Rand der Toilette mit schwarzer Acrylfarbe zu umranden. Die Öffnung der Toilette ist nämlich aus hellem Holz und wir stellten bereits letztes Jahr fest, dass sich die Öffnung ziemlich schnell verfärbt. Und zwar in Braun. Das ist für die Öffnung einer Komposttoilette keine schöne Färbung. Daher die Idee, den Rand zu schwärzen. Zum einen aus ästhetischen Gründen, aber auch, um die Reinigung zu erleichtern, da wir das helle Holz mehr oder weniger unbehandelt gelassen haben. Die Farbe hatten wir bereits letzten Sommer gekauft, aber dann vergessen, sie anzubringen. Heute wollte ich sie dann auftragen, aber der Inhalt der Dose sah eher aus wie eine aufgeweichte Müslipampe. Ziemlich fest und mit harten, an aufgequollene Haferflocken erinnernden Teilchen. Die Aufschrift an der Dosenseite verriet uns dann auch, dass man die frische Farbe keinen Minusgraden aussetzen darf.
Es blieb uns nichts anderes übrig, als es zu den vielen Lehren abzulegen, die man im Leben so ansammelt.











