[Di, 23.6.2026 – Rowdytum, mobile Splitgeräte]

Ich fuhr nur kurz mit dem Fahrrad über den Bürgersteig. Nur kurz. Das mache ich dort jeden Tag, wenn ich von der Johannisstraße komme, um zur Reinhardtstraße zu gelangen. Sonst müsste ich mich mit dem Rad gefährlich auf der anderen Seite in der Friedrichstraße in den Autoverkehr einreihen. Dort, wo es keinen Fahrradweg gibt. Ich bin nicht der einzige, der das so handhabt. Offenbar weiß das auch die Polizei. Heute wartete ein Dutzend Polizistinnen auf der anderen Straßenseite und zogen Straßenrowdys wie mich aus dem Verkehr.

Durch meine langjährige Geschichte mit der Polizei weiß ich mittlerweile, dass man mit denen nicht diskutieren kann. Das meine ich gar nicht despektierlich. Menschen in Polizeiuniform haben schlichtweg einen anderen Blick auf die Dinge. Sie sind dafür da, die Einhaltung von Regeln durchzusetzen. Das ist deren Aufgabe. Sie denken sich die Regeln nicht aus, sie führen nur aus. Wenn du dich für den Beruf der Polizistin entscheidest, dann tust du das nicht, weil du gerne diskutierst, sondern du tust das, weil du gerne die Einhaltung von Regeln durchsetzt. Es hat mich Jahrzehnte gekostet, bis ich das verstanden habe. Seitdem sage ich: Sie sind im Recht, ich habe eine Widrigkeit begangen, wie lautet meine Strafe?

Wenn man das sagt, werden Polizisten butterweich. Danach kann man auch über die Sinnhaftigkeit von schlechten Regeln plaudern.

Und wenn man Glück hat, bleibt es bei einer Verwarnung. Heute hatte ich kein Glück. Ich konnte immerhin mit Karte zahlen, das ging alles schnell: 25 Euro, zack, und ich konnte weiterfahren. Als hätte ich einen Kaffee gekauft. Transaktional, kein Drama. Ich hoffe, sie setzen das Geld gut ein. Eine Suche im Netz ergibt, dass das Geld in die Landeskasse fließt und nicht zweckgebunden ist. Es wird dann für allgemeine öffentliche Ausgaben eingesetzt, wie Straßenbau, Schulen, soziale Projekte oder für die Verwaltung. Vielleicht bauen sie ja Fahrradwege in der Friedrichstraße.

Ich hatte meinen Frieden.

Am Wochenende steigt die Temperatur nicht nur auf 39 Grad, sondern möglicherweise auf 41. Samstag und Sonntag. Ich bekomme jetzt schon Beklemmungen. Gegen Mittag surfte ich verschiedene Vergleichsportale wegen Klimageräten an. Mobile Splitgeräte, weil Splitgeräte besser kühlen und mobile, weil ich noch kein festes Konzept dafür habe, wo ich so ein Ding hinstellen will. Es gibt da diese „Portasplit“-Geräte, die mir ein Nachbar empfohlen hat. Daraufhin grub ich mich in ein Rabbit Hole ein, aus dem ich nur mit einiger Mühe wieder herauskam. Jetzt weiß ich aber alles über Klimaanlagen. Am Nachmittag bezog ich meine Frau mit ein. Dass wir uns so ein mobiles Splitgerät kaufen müssen. Sie war unentschlossen. Gegen vier Uhr entschied ich mich, auf den Kaufen-Knopf zu drücken. Doch dann musste ich feststellen, dass das Gerät inzwischen ausverkauft war. Also suchte ich nach anderen Portalen, auf denen ich die Geräte in den letzten Stunden gesehen hatte, allerdings waren sie auch dort ausverkauft. Auch auf Amazon und irgendwelchen shady chinesischen Shops. Kurz darauf las ich auf Heise.de, dass alle Portasplit‑Geräte deutschlandweit weitestgehend ausverkauft seien. Es gab sogar eine Seite namens Braucheklima.de, die ein tüfteliger Entwickler zusammengebaut hat, auf der alle Baumärkte gelistet sind, die solche Portasplits verkaufen. Ein Grüner Punkt würde Verfügbarkeit signalisieren. Aber die Karte zeigte ganz Deutschland in Rot.

Nun.

Das löste ein wirklich komisches Gefühl in mir aus. Ich dachte die ganze Zeit, mich in einem Rabbit Hole befunden zu haben, nur um dann festzustellen, dass ich eigentlich in einem vollen Stadion stand.

[Mo, 22.6.2026 – Web4.0, männliche Katze und Hölle]

Seit der Installation des ATmosphere-Plugins geschehen im Blog interessante Dinge. Likes aus Bluesky (und auch Eurosky) werden hier im Blog angezeigt und sogar Kommentare, die dort abgesetzt werden. So hatte ich mir vor zehn Jahren die Vernetzung des Internets vorgestellt. Plattformen, Blogs, Portale usw., verschmelzen sich zu einer weltweiten Wolke aus Inhalten von unterschiedlichen Quellen, die du beliebig abonnieren, lesen und mit denen du interagieren kannst. Was stattdessen passiert ist: Die Inhalte wurden auf datenhungrigen Social-Media-Plattformen eingesperrt, die von protofaschistischen Milliardären betrieben werden.

Naiverweise probierte ich damals verschiedene Social-Media-Plugins, von denen ich mir genau dieses Verhalten versprach. Aber die geschlossenen Social-Media-Plattformen haben natürlich kein Interesse daran, dass ihre User sich außerhalb der Plattformen bewegen. Mit jenen Plugins ließen sich nur Inhalte auf deren Plattformen auslösen. Nicht umgekehrt.

Bis eben dachte ich, dass das mit dem Fediverse um Mastodon in dieser Form nicht geht. Aber mit der Kombination aus ActivityPub und FediBoost, erreicht man genau dieses Verhalten auch. Ich kann das alles nur empfehlen.

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Mit meiner Exfreundin aus den Niederlanden gechattet. Dort hat die Hitzewelle, die demnächst über Berlin hereinbricht, bereits zugeschlagen. Sie versteht nicht, warum die Leute sich beschweren. Sie lebte viele Jahre in Burkina Faso, da war es ständig über 40 Grad. Man müsse nur die Aktivität ein bisschen runterfahren, alles etwas ruhiger angehen, sitzen. Ich weiß schon, was sie meint. Meine Exfreundin saß gerne herum. Und sobald das Thermometer die 15 unterschritt, fror sie. Wir waren wirklich nicht sehr kompatibel.

Am Samstag werden es 39 Grad sein. Ja, ich weiß, ich schrieb bereits darüber. Ich denke an nichts anderes mehr. Zudem feiern wir am Freitag das Firmensommerfest. Ein Kater bei 39 Grad. So stelle ich mir die Hölle vor. Ich könnte jetzt sagen: Trink doch keinen Alkohol am Freitag. Ja, könnte ich.

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[So, 21.6.2026 – Bauen, Melancholin]

Naja, schreibt man mal über mangelnden Regen, dann beginnt es zu regnen. Wobei: Es dauerte ja nur 20 Minuten.

Als der Regen kam, war ich gerade beim Sohn meiner Nachbarin in seinem Atelier. Er hatte sich angeboten, mir zu helfen, eine Holzbank für Schweden zu bauen. Dort hinterm Haus im Wald gibt es einen schönen Hang mit Blick auf die Abendsonne. Da möchte ich abends sitzen und lesen. Dafür brauche ich eine Bank. Er hatte viele Ideen gesammelt. Sein Vorschlag war, eine einfache, aber stabile Bank aus Lärchenholz zu bauen. Lärche hält jedes Wetter aus und sie widersteht sicherlich auch skandinavischen Wintern. Sie sollte zusammensteckbar sein und in meinen Kleinwagen passen. Vielleicht kann ich sie im Herbst auch wieder auseinanderbauen und für den Winter in die Scheune stellen.
Es wurde dann eine richtig schöne Bank. Leider vergaß ich, sie zu fotografieren, jetzt liegt sie auseinandergebaut auf dem Rücksitz des Autos.

Die Sonne war morgens schon unerträglich. Bei nur 23 Grad. Am kommenden Wochenende werden es 39 Grad sein. Ich sag ja nur. Das Projekt Klimaanlage bin ich immer noch nicht angegangen. Ich hätte fast ein ganzes Jahr lang Zeit gehabt. Vielleicht war der Leidensdruck letzten Sommer nicht groß genug. Würde ich das Blog nach Sommernächten filtern, käme sicherlich das eine oder andere schlechte Gefühl hoch.

Aber ich kann jetzt immerhin besser schlafen. Seit einigen Wochen bediene ich mich eines Tricks. Ich nehme Melatonin. Es bettet mich ein, ich schließe die Augen und drifte in ein nächtliches Meer ab. Melatonin ist das sogenannte nachtaktive Hormon. Diese Bezeichnung fand ich so schön, seitdem nenne ich es Melancholin. Es ist die Eigenschaft dieses Hormons, dass es die Temperatur des Körpers runterregelt. Das löst offenbar mein Problem mit den unerträglichen Hitzenächten. Zugegebenermaßen wird die Bewährungsprobe erst noch kommen, wenn der Juli und der August ihren Ofen anschalten.

Tja. Vernünftiges habe ich bei dem Wetter auch nicht zu erzählen. Aber ich sollte mein neues Bauprojekt erwähnen. Die Wohnung ist nämlich wieder eine Baustelle. Ich baue ja gerade ein Kallax-Regal zu einer etwas exzentrischen Wandschrank-Konstruktion um. Gestern Nachmittag brach mir eine der Türen aus dem Rahmen und ich hatte vier Bretter sehr umständlich montiert, bis meine Frau feststellte, dass ich sie falsch befestigt hatte. Das waren vier oder fünf weggeworfene Stunden Arbeit. Die beiden Missgeschicke zogen mich dann schon sehr runter, zumal ich keine Lösung für die aufgebrochenen Stellen in der Tür hatte. Ich schwor mir, dass ich nie wieder ein solches Projekt beginnen werde. Das war ein ungewöhnlicher Ausbruch von Verzweiflung. Faktisch war ich den ganzen Samstag über kaum vorangekommen. Heute konnte ich allerdings einen großen Teil fertigstellen und meine Laune ist wieder wesentlich besser.

[Sa, 20.6.2026 – Mittsommer]

Ich will mich auch heute nicht über das Wetter beschweren, aber es gibt Menschen, die bei diesen Temperaturen mit einer Jacke herumlaufen. Und das sind gar nicht wenige.
Zum Nachmittag wurde uns ein Gewitter versprochen, aber wie das in Berlin eben immer ist: Es regnet nie. Vielleicht nenne ich das Blog so um. Es regnet nie. Schließlich ist es ein Berlinblog. Während Brandenburg manchmal in Sintfluten untergeht, scheint in Berlin die Sonne. Hat mir auch keiner erzählt, bevor ich hierherzog.

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Endlich eine Kettensäge gekauft. Wie in den Einträgen aus Schweden von vor 3 Wochen gelernt, folgte ich den Ratschlägen der Männer aus dem Wald und kaufte mir keine Benzinsäge, sondern eine elektrisch mit Akku betriebene Säge von Ryobi. Es ist ein schönes Gefühl, ein solches Werkzeug zu besitzen.

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Am Abend hatte die Traveling Lady zum Mittsommerfest eingeladen. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, bei Hitzewellen keinen Alkohol zu trinken. Wenn die Temperatur 30 Grad übersteigt, trinke ich nur Wasser. Der Grundsatz gilt, bis er nicht mehr gilt. Einmal hat er bisher funktioniert. Heute halt nicht.

Ich kam in einem weißen Unterhemd und einer sehr kurzen, ausgebeulten Hose. Aus irgendeinem Grund dachte ich, man müsse sich bei solch einer Hitze nicht anständig anziehen. Ganz offensichtlich war ich der einzige, der das dachte. Die Frauen trugen fast durchgehend elegante Sommerkleider und die Männer wirkten immerhin angezogen. Ich hingegen saß dort etwas derangiert dazwischen, trank Bier und versuchte, mit inneren Werten zu punkten.


Aber natürlich war es trotzdem ein schöner Abend. Gegen halb 12 stieg ich mit der Nachbarin auf das Fahrrad und wir fuhren nach Hause. Das ist übrigens eines der wenigen schönen Dinge am Sommer: nachts Fahrrad fahren.

[Fr, 19.6.2026 – ATmosphere, MIGA, Tundra]

Bei Felix über ATmosphere gelesen und gleich bei mir eingerichtet. (Hier noch ein paar weitere Links dazu). Das AT-Protokoll bzw. das Fediverse sind wirklich sehr interessant und schaffen vielleicht eine bessere Vernetzung des geschriebenen Internets. Ich habe es noch nicht ganz verstanden, wie die Aggregierung bzw. die Föderierung funktioniert. Eventuell passieren nach der Veröffentlichung dieses Eintrages unvorhergesehene Dinge.

Aber: MIGA. Make Internet Geschrieben Again.

Wobei das natürlich auch für Bilder und Videos funktionieren kann. Allerdings wird es das Fediverse nicht mit den Monetarisierungsmöglichkeiten der geschlossenen Social-Media-Plattformen aufnehmen können. Und irgendwie wollen alle immer mit Content Geld verdienen. Und überhaupt kommt mir vor, dass alle nur noch Milliardäre werden wollen. Das ganze Startup-Ökosystem scheint sich dahin entwickelt zu haben, dass sie es nur noch tun, um von amerikanischen Riesen aufgekauft zu werden.

Nun.

Habe ich mich schon über die Hitze beschwert? Nein, noch nicht. Ich schiebe es vor mir her, um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Links unten im Menü auf meinem Desktop habe ich immer die Anzeige der Temperatur in Longyearbyen. Heute misst es dort 1 Grad. Natürlich brauche ich jetzt nicht unbedingt 1 Grad Plus, aber wenn ich nach links unten auf die Temperaturanzeige schaue und mir vorstelle, wie ich auf dem gefrorenen Tundraboden Brötchen holen gehe, dann kühlt sich meine wahrgenommene Umgebungstemperatur immer um vierfünf Grad ab.

Zur Not schaue ich auf die Webcam. Da gehen noch ein paar Grad mehr.

[Do, 18.6.2026 – B’Garten]

Ich jammere nie über das Wetter. Den ganzen Herbst nicht, den ganzen Winter nicht und das ganze Frühjahr nicht. Jetzt aber. Jetzt kommt die Jahreszeit, in der ich jammern darf.

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Dann kann ich auch Biergärten nur mittelmäßig viel abgewinnen. Bier ist okay, Garten auch, aber wenn die Hitze so frückt, werde ich unleidlich. „Frückt“ war ein Typo. Weil das Wort aber so klingt, wie meine Gefühle sich anfühlen, lasse ich es stehen. Heute gingen wir für ein Afterwork-Bierchen ins ehemalige Brauhaus am Südstern. Seit Kurzem heißt es Brauhaus Suuud. Es hat eine neue Führung, die etwas mehr zu versprechen scheint, als das alte Brauhaus halten konnte. Irgendwas stimmte unter der alten Führung nie. Jahrzehntelang. Für junge Menschen war es zu altbacken, für alte Leute zu hipp, für Mainstream zu rustikal und für hippe Leute zu unhipp. Dann kam es mit einem Stern im Logo irgendwie kreuzbergisch autonom daher, aber auch diese Erwartung erfüllte es nicht. Dabei hatte das Lokal immer ungemeines Potenzial, wegen der weitläufigen Räume, des Gartens in der Hasenheide und überhaupt.

Früher braute da Schoppe seine Biere, aber das Gasthaus wollte keine Experimente. Dann zog Schoppe aus und braute fortan am Pfefferberg. Seit Kurzem haben neue Leute das Lokal übernommen. Die betrieben bisher offenbar eine subversive Bar in 36 (sagt man noch 36?). An der Inneneinrichtung hat sich bisher nichts getan, aber hinten haben sie den Biergarten zur Hasenheide hin geöffnet, das ist richtig nett. Und sie servieren Blumenkohlschnitzel, das zwar nicht besonders schmeckte, aber man merkt, dass sie sich bemühen.

[Di, 16.6.2026 – Mit dem Hahn, Fable, im Späti]

Ich gehe so unfassbar gerne mit den letzten Sonnenstrahlen ins Bett. Wenn noch das letzte Tageslicht durch das Fenster hereinkommt. Wenn der Tag von mir geht. Bald schließe ich mich den Hühnern an. Warte auf den Hahn, der uns einsammelt und uns durch den Eingang zu unserem Stall auf die Stöcke bittet. Dort höre ich ihm zu, wie er ein letztes Mal kräht, dann schließe ich mild lächelnd meine Äuglein und falle in einen tiefen Schlaf.

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Es erstaunt mich, wie wenig Resonanz die Sperrung von Anthropics neuem KI-Modell für nichtamerikanische Staatsbürger erhält. In den Fachmedien ist das ein Riesenthema. In den großen Medien und im breiten Diskurs hingegen nicht. Dabei hat diese Sperrung eine ungeheure politische Schlagkraft aufgezeigt, die keinesfalls technisch ist, sondern potenziell die europäische Wirtschaft abwürgen kann. Künstliche Intelligenz wird dummerweise immer noch als technisches Thema und nicht als wirtschaftliches bzw. geostrategisches betrachtet. Anders als die Sache mit den Zöllen. Alle redeten von den Zöllen. Zölle, Zölle, Zölle. Aber wenn es um KI geht, dann ist es ein Tech-Thema.

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Heute fuhr ich zum ersten Mal mit dem Fahrrad in die neue Firma. Die Fahrt dauerte nur 29 Minuten. Es ging schneller, als gedacht. Auf dem Rückweg traf ich meine Frau wieder unten an der Straße. Sie saß mit der Hündin in einem dieser hölzernen Parklets. Es war 21 Grad und keine direkte Sonne. So etwas wie ein perfekter Abend. Wir wollten nicht in die Wohnung hinauf. Ich sagte, ich ginge zum Späti, um uns zwei Biere zu holen. Im Späti griff ich zu einem Atlantik Ale und einem dieser neuen Wild Coast Ales von Störtebeker. Als ich an der Kasse stand, bemerkte ich, dass ich die alkoholfreien Varianten ausgewählt hatte, also kehrte ich zurück zum Kühlschrank und holte mir zwei neue Flaschen aus dem Regal darunter. Zurück bei meiner Frau öffnete ich das erste Bier, nahm einen Schluck und fand es etwas brotig schmecken. Ein Blick auf das Etikett verriet, dass ich wieder ein alkoholfreies gekauft hatte. Sofort checkte ich die andere Flasche und auch diese war alkoholfrei.

Ich weiß nicht, was das Schicksal mir damit sagen will.

Vielleicht, dass ich mich mehr bewegen soll. Also kehrte ich wieder zum Späti zurück und tauschte die beiden Flaschen, wovon ich eine natürlich bezahlen musste. An der Kasse merkte ich, dass ich schon wieder zur alkoholfreien Variante gegriffen hatte. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass der Spätibesitzer die Flaschen völlig unsystematisch in den Kühlschrank geräumt hatte. Das sagte ich ihm auch, als er mich so genüsslich anlächelte. Es schien ihn aber nicht zu kratzen.

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[Mo, 15.6.2026 – Regen, Sonnenbrand, Indonesisch]

Das Drachenbootrennen spürte ich heute dann doch in den Knochen. Das ging auch den anderen Kolleginnen so. Manche kamen vorbei und fragten vorsichtig: Spürst du das auch? Ich bejahte. Oberarme, Schulterpartien, Brust. Überall leichten Muskelkater. Aber nicht schlimm. Lustig fand ich, dass wir alle einen Sonnenbrand abbekommen hatten. Meine Erinnerung an den Sonntag ist nämlich eher von Regen und Kälte geprägt. Ich bekam den ganzen Tag lang meine Hände nicht richtig auf Temperatur. Und die Kleidung war immer leicht feucht. Es gab den ganzen Tag lang vielleicht drei Sonnenstrahlen. Diese drei hatten es offensichtlich in sich.

Aber ich weiß, wie heiß es am kommenden Wochenende werden soll. Fünfunddreißig Grad. Es beklemmt mich jetzt schon. Eigentlich möchte ich mich an jenen Tagen nicht bewegen, und erst recht keinen Alkohol trinken. Aber es ist Sonnenwende, eine Freundin hat zum Feiern eingeladen. Dann werde ich halt schlecht schlafen.

Heute aßen wir Gado-Gado. Das ist lauwarmer, indonesischer Salat mit Saté-Sauce. Unsere Berliner Nachbarin hatte das in Schweden für uns zubereitet und wir mochten das ausgesprochen gerne. Dafür schneidet man verschiedene Gemüse in feine Streifen und blanchiert sie. Dazu legt man ein gekochtes Ei oder Tofu oder was auch immer und man gibt Erdnusssauce darüber. Zugegeben: Mit Erdnusssauce schmeckt alles immer nach Erdnusssauce. Aber das macht einen Teil der indonesischen Küche aus. Neulich wurde mir ein indonesisches Restaurant in der Lychener Straße empfohlen. Ich werde es irgendwann probieren. Meine Frau und ich lieben die indonesische Küche. Leider war ich schon seit zwei Jahren nicht mehr in den Niederlanden und kam deswegen auch nicht mehr dazu, indonesisch zu essen. Das ist eine reflexartige Zuordnung. An indonesische Restaurants denke ich eigentlich nur, wenn ich in den Niederlanden bin. Ich gehe dann meistens ins „Blauw“. Wenn man das Wort Blauw in diesem Blog eingibt, erscheinen viele Einträge. Meine Frau und ich waren mehrmals da. Dazu gibt es auch diesen Text aus 2015.

Nun hat vor einigen Jahren auch eine Blauw-Filiale in Utrecht geöffnet, und man mag es kaum glauben, aber das Utrechter Blauw steht im Springweg, schräg gegenüber dem Haus aus dem Springweg-Buch. Im Buch erwähnte ich auf den ersten 20 Seiten beiläufig ein spanisches Restaurant, in dem wir spätabends noch Rotweinflaschen für 5 Gulden kaufen konnten. Statt des Spaniers ist heute das „Blauw“. Wegen solcher schicksalshaften Verbindungen werden Leute manchmal religiös.

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Und sonst so. Liest sich wie ein Filmplot:

[So, 14.6.2026 – neben dem Drachenboot]

Heute am Drachenbootrennen auf dem Wannsee teilgenommen. Die Temperatur war in Ordnung, aber ein paar Mal zogen finstere Regenzellen über Berlin. Meist befand sich mein Drachenbootteam jedoch an Land. Aber einmal fing der Regen gerade an, als wir ins Ziel einfuhren. Es dauerte aber lange, bis wir ins Trockene gelangten. Andere erwischte der Platzregen schon beim Start. Die kamen später durchnässt und zitternd das Gelände hochgelaufen. Nächste Woche wird es vermutlich ein paar kranke Menschen geben.

Unser Team war zu klein, wir mussten also aus dem Publikum rekrutieren. Es meldete sich ein Mann, dessen auffällige Tätowierungen mir gefielen. Teile seines Körpers waren durch wenige, kunstvoll angelegte Linien überzogen. Eine Linie kam von hinterm Ohr und verschwand dann seitlich am Nacken im T‑shirt. Eine der Linien begann mitten am Kinn und zog sich gerade nach unten über den Kehlkopf und verschwand auch wieder hinterm Stoff. Am Arm gab es eine weitere Linie, die irgendwo verschwand.

Er stand bei unserer Teambesprechung im Kreis. Danach warteten wir auf das Boot.
Ich sagte: Coole Tattoos hast du.
Er sagte Danke. Dann zog er ungefragt sein T-Shirt hoch und entblößte seinen Bauch. Da prangte ein etwas vulgäres Abbild einer Raubkatze, ein Leopard oder ein Tiger oder ein Panther, ich kann die Raubkatzen nicht so auseinanderhalten.
Er sagte: Hier habe ich auch ein Tatoo.
Ich log: Cool.
Ein Umstehender sagte: Cool.
Ich sagte dann aber auch, dass ich diese Linien an Hals und Arm super finde. Er sagte, er habe noch viel mehr, aber die könne er mir nicht zeigen. Ich nickte. Eigentlich dachte ich, macht man solche Witze nicht mehr.
Aber dann sagte er: Ich habe „This Truth is real“ auf meinen Penis tätowiert.
Ich sagte: oh.
Der andere Umstehende sagte: oh.
Er erzählte, dass es während des Tätowiervorgangs sehr schwer war, die Erektion zu halten. Immer wenn der Tätowierer sich zu ihm umdrehte, machte es Wupp und der Penis wurde wieder schlaff. Ich nahm an, dass der Tätowierer ihm nicht gefiel. Ich fragte: Und wenn er schlaff ist, dann kann man es nicht lesen? Er sagte: Ja! Und nickte. Dann fügte er hinzu: Und alle Frauen wollen immer lesen, was da steht. Fahren sie voll drauf ab.
Der Umstehende und ich staunten nicht schlecht. Ich sagte: Ich hätte mir aber etwas anderes draufschreiben lassen. Ich hätte gewollt: Hi-I-Am-Markus-Welcome-To-Berlin-Have-A-NICE-and-BEAUTIFUL-day-and-hope-to-see-you-again.
Höhö, sagte der Umstehende, Höhö, sagte der Tätowierte. Ich gestand aber, dass es nicht draufpassen würde. Der Umstehende meinte, dass ich es ja abkürzen könne. HIAMW… usw. Es sähe dann aus wie ACAB, aber eben anders.

Auch eine Idee.

Wir belegten im Drachenbootrennen dann Platz 19 von 22.

[Sa, 13.6.2026 – Mixed Feelings]

Ich habe immer nur gekifft, weil es illegal war. Als ich in die Niederlande zog, merkte ich, dass mir die Wirkung gar nicht wirklich gefiel. Und ich hörte einfach auf. Ich weiß nicht, was die Drogensoziologie dazu sagt. Vermutlich sagte es aber eine Menge über mich aus. Nichts Gutes.

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Wir haben ein neues Bauprojekt. Einen etwas anarchischen Umbau des Callax-Regales im Flur. Meine Frau traut mir mittlerweile alles zu. Es ist ihr neues Hobby. Sich für mich Bauprojekte in der Wohnung auszudenken.

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Diese 18 Grad und bewölkt. Die perfekten Wetterbedingungen. Man trägt ein dünnes Jäckchen und leichte Schuhe. Ich bin ein Dünne-Jäckchen-Typ. Ich könnte immer dünne Jäckchen tragen. Es gefällt mir, angezogen zu sein. Wenn es warm wird, will ich mir immer alles vom Leib schälen, wie eine lästige Lage Teig. Bei 18 Grad und bewölktem Himmel habe ich eine kosmische Verbindung zu den verschiedenen Existenzebenen.

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Die Hertha-Frauen gewannen im ersten Aufstiegsspiel gegen Saarbrücken 4:1. Es folgt noch das Rückspiel nächste Woche und dann steigen sie möglicherweise in die zweite Liga auf. Vielleicht gehe ich nur noch zu den Frauen. Viele in meinem Fanclub gehen zu den Frauen. Ich war bisher nur einmal da. Beim ersten Spiel überhaupt. Gegen Köpenick. Ich sah das erste Tor. Danach verloren sie aber. Köpenick hatte aber auch einen Profikader. Bei uns waren das ja nur Amateurinnen. Dafür habe ich den Herthafrauen-Podcast technisch aus der Taufe gehoben und lange mitgeholfen. Mittlerweile können die drei Frauen aber alles selbst. Gute Leute.

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