Mit meinem Lektor Klaus und Daniel von der Lesebühne Immer.Bärbel vor der Brotfabrik gesessen. Wir sprachen über unsere Textprojekte. Wir sprachen über Konstanz, Schreibroutinen und Kontingente. Klaus hat ja kein Kontingent und hat aber schon Massen an Text geschrieben. Von ihm habe ich gelernt: Setze dich an einen Text und es kommt immer etwas heraus. Auch kurz vor Deadlines. Dadurch wird der Text nicht immer perfekt, aber es kommt immer etwas Gutes heraus. Das stimmt wirklich, das kann ich auch am Blog beobachten. Schon nur die Pflicht, immer etwas zu schreiben, bringt oft viel Gutes hervor und es gibt immer etwas zu berichten. Je näher die Deadline rückt, desto egaler wird einem auch der Inhalt und der Text löst sich dann regelrecht heraus.
Daniel schrieb hingegen jahrelang 200 Wörter am Tag. Sehr pflichtbewusst, sehr konzentriert. Von den 200 Wörtern bleibt im Gesamtmanuskript vielleicht 1/3 übrig. Textarbeit geht eben langsam. Daniel hat neulich mit diesem Text einen Literaturpreis gewonnen.
Ich erzählte auch, dass mein Romanprojekt gerade ein wenig stagniert, was zum einen am beruflichen Alltag liegt, aber eigentlich mehr daran, dass mich der Text ein bisschen verunsichert. Ich konnte den Grund nicht genau erklären. Der Text wird nur sehr schwer seine Leserinnen finden, er ist sehr mannzentriert, sehr subjektiv, zudem aus der Sicht eines Mannes geschrieben, der zunehmend unsympathischer wird. Zum einen habe ich Angst, mir vernichtende Kritik von Frauen einzufangen, deren Meinung mir wichtig ist, und andererseits möchte ich schon auch, dass das Buch einen zeitgenössischen Nerv trifft.
Klaus sagte, das müsse mir scheißegal sein. Ein Text muss nur ein guter Text sein. Diesem Argument konnte ich wenig entgegensetzen, schließlich merke ich selbst, dass mich meine Gedanken ziemlich hemmen. Oder mir zumindest die Begeisterung nehmen, die ich anfangs hatte.
Später kamen andere Menschen zu unserem Tisch. Klaus kannte sie. Sie hatten eine Lesung in der Brotfabrik organisiert. Es würde bald losgehen. Es fand eine Art Vorbesprechung an unserem Tisch statt. Ich bestellte Nachos mit Käse. Mit extra Bergkäse.
Heute traf ich einen ehemaligen Mitarbeiter aus der Firma, in der ich 4 Jahre lang CTO war. Es war Teamleiter des Android-Teams und war in seinem Job so gut, dass ich mich so gut wie nie um das Android-Team kümmern musste. Sowohl menschlich, wie fachlich führte er sein kleines Team ohne jegliche Reibung. Unfassbar. So etwas ist mir bisher nicht untergekommen. In unseren wöchentlichen 1:1s besprachen wir fast ausschließlich private Themen. Nach einem Jahr vergrößerten wir die Frequenz deswegen auf einmal im Monat. Wir hätten auch komplett darauf verzichten können, aber miteinander zu quatschen war auch einfach nett.
Wenige Monate, nachdem ich wegging, fing er sich einen Burn-out ein. Das hatte glücklicherweise nichts direkt mit meinem Weggang zu tun. Es gab für mich bald einen Nachfolger, seitdem hatte er aber auch viel mit dem Inhaber der Firma zu tun. Er wollte von mir wissen, wie ich das mit dem Inhaber der Firma hinbekommen hätte. Der Inhaber ist bei allen sehr verhasst, oder zumindest maximal unbeliebt und eine sehr anstrengende Person. Als der CEO und ich die Firma verließen, bekam der Inhaber vollen Zugriff bis in die Teams hinein, was dann weitere Kündigungen auslöste.
Ich konnte seine Frage nicht beantworten. Zwar weiß ich, dass wir uns viel mit dem Inhaber stritten, vielleicht hielt ich einfach immer die Emotionen aus der Sache raus.
Der Android-Entwickler war 14 Jahre lang in der Firma. Er war immer happy, bis auf die letzten zwei Jahre. Jetzt hat er gekündigt und empfindet es als Befreiung. Auch, dass er sich nach dem Burn-out zu diesem Schritt genötigt hatte. Es fühlt sich so, als ginge er einem neuen Lebensabschnitt entgegen. Obwohl er noch nicht weiß, wohin das führt.




