Abends bin ich gerade etwas müde. In den ersten Tagen an einer neuen Arbeitsstelle saugt man sich immer mit riesigen Mengen an Informationen voll. Mit so viel Input, müsste ich jetzt eigentlich ungemeine Mengen an Output haben. Stattdessen: brummender Kopf (natürlich! Wenig Platz!) und Müdigkeit (physiologisch nicht ganz erklärbar).
Dafür habe ich noch einige Notizen der letzten Monate, die ich noch nicht verarbeitet habe. Da steht zB:
„Crowded house – tigether alone“ – Typos lasse ich mal absichtlich stehen. Das war ein Song, den ich einmal in einer Instastory hörte, wo er mir hervorragend gefiel. Als ich ihn dann zu Hause auf YouTube suchte, gefiel er mir überhaupt nicht mehr. Warum der Song auf meinem Notizzettel steht, weiß ich gar nicht mehr, vielleicht wollte ich das auch nie in einen Text verarbeiten, sondern die Info nur als Gedächtnisstütze ablegen.
„Peter sagte viel HJund im Blog immer“ – das war wegen meines Fanclubfreundes Peter. Der meinte, dass es in diesem Weblog sehr viel Hundecontent gäbe. Ich bin mir nicht sicher, ob er das als Kritik äußerte, oder als Feststellung. Es war auf unserer Weihnachtsparty und wir waren beide sehr betrunken. Kurz zuvor verriet er mir, dass er gerade sechzig geworden war, und ich sagte: „No way! Du siehst aus wie fünfzig!“. Was auch wirklich nicht gelogen war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er danach noch irgendwie Inhalte meiner Texteinträge kritisieren wollte.
Diese Notiz sah ich aber nie als verarbeitungswürdig an.
„Epstein, vertuschen, verkuscheln“ – das war an einem Tag, an dem ich zu lange in den Epsteinfiles gelesen hatte. Danach wollte ich etwas dazu schreiben, aber einerseits war ich angewidert und hatte tausend unsortierte Gedanken dazu, und eigentlich ist zu dem Thema alles schon gesagt. Wie bei fast allen tagesaktuellen Themen. Außerdem bezogen sich meine Gedanken auch sehr auf die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, wie mich ihre Anbiederung an Epstein abstieß, ich fand es merkwürdig, wie sie andere Frauen seltsam scherzend in die Pfanne warf, weil sie sie mit 25 Jahren schon zu alt für ihren Freund Jeffrey fand.
Aber ich wollte nicht ein paar irrelevante Zeilen über Epstein schreiben und dabei eine Frau kritisieren. Mich schockte nur dieses unsolidarische Verhalten.
„benzin“ – das notierte ich, weil ich in den letzten zwei Wochen ein paar Mal mit dem Auto gefahren war und dachte, jetzt mit dem Irankrieg sollte ich vielleicht besser kein Benzin verbrennen, weil die Preise ja sozusagen explodierten. Der Gedanke hatte aber nur als Gedanke gewisses Potenzial. Verschriftlicht gab es nix her.
Überdies stellte sich heraus, dass der Liter jetzt nur 30 Cent mehr kostete als davor. Unter Explosion stellte ich mir etwas anderes vor. Weil ich wenig Ahnung von Benzinpreisen habe und mir nie merken kann, wie viel ein Liter kostet, fragte ich die Google-KI, um wie viel der Preis seit dem Irankrieg gestiegen sei. Gemini gab mir allerdings eine Antwort zum Preisanstieg während des Irakkrieges 2003. Ich musste es dann schon spezifizieren, also nicht das Saddam-Irak, sondern das Ajatolla-Iran.
„Fagott. Wollte ich lernen. 8000€ also no
Tuba. Aber bissl laut eventuell. 6000€ also no“
Das schrieb ich nach der Konzertmatinee von neulich. Ich wollte tatsächlich einmal Fagott lernen, weil das so ein schönes, warmes Instrument ist. Aber dann sah ich den Preis und ließ es sein. Auch die Tuba fand ich interessant. Klanglich weniger warm, aber mindestens so schön. Aber den Preis fand ich auch unangemessen für mein nicht ganz so stark ausgeprägtes Interesse.
In diesem Zuge wollte ich auch wissen, ob Fagott auf Englisch faggot heißt, aber das hat einen ganz anderen Ursprung und bedeutet etwas ganz anderes. Fagott heißt auf Englisch Bassoon. Schöner Name, der zudem den Klang des Instruments wiedergibt.
„Piñata-Stock“ – ich habe während des Bauens der Oberschränke einen Piñata-Stock gefunden. Also einen Schläger, mit dem man Piñatas kaputt schlagen kann. Er hat die typischen bunten Papierverzierungen von Piñatas und ist ein wenig gebogen. Keine von uns beiden weiß, woher der Stock stammen könnte. Er lag hinter den Koffern und war eingestaubt. Es fällt mir schwer, ihn wegzuwerfen, andererseits kann ich ihn auch nicht auf Kleinanzeigen verschenken. Niemand braucht einen Piñata-Stock ohne eine Piñata. Verbloggen ließ sich das auch nicht, also blieb das Wort im Notizzettel hängen.
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Außerdem gibt es ganz alte Notizen. Mindestens ein Jahr alt, oder älter:
Yamaha 1887 – ich war damals überrascht gewesen, wie alt Yamaha ist. In 1887 produzierten sie ihr erstes Instrument: ein Harmonium. Ich dachte, ein Harmonium sei ein billiges Heiminstrument, das erst ab den Sechzigern einmal im Jahr aus dem Keller geholt wurde, um Geburtstagslieder zu begleiten. Aber nein. Vor über 130 Jahren war das offenbar eine ernste Sache. Zumindest in Japan. Zumindest für Yamaha. Danach bauten sie jahrelang Klaviere und Instrumente. In 1955 beschloss der Chef, dass fortan auch Motorräder gebaut werden sollten. Und so wurden auch Motorräder gebaut. So ist das eben. Ich lernte als Kind auf einem Klavier von Siheko (auch das steht in den Notizen). Die Marke kommt aus Südkorea und die Klaviere wurden vor allem nach Italien verkauft und gerne an Anfänger. Die Firma gibt es aber nicht mehr. Ich finde es lustig, ein Klavier gehabt zu haben, für das ich ein spezifischer Markt war, der sich 40 Jahre später noch ergooglen lässt.
„Blumenkohl, dauerte 2h und immer noch hart“ – keine Ahnung, was ich damit sagen wollte.
„Shnixel“ – Ich kenne Menschen, die das Wort Schnitzel nicht richtig aussprechen können. Seitdem fällt es mir selbst schwer, es richtig auszusprechen. Ist aber nicht lustig.
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Danach ist der Notizzettel voll mit verschiedenen Links. zB zu Rasenmähern, Saugrobotern, Statistiken über das Ranking der Novelle bei Amazon, meiner italienischen Steuer-ID, ein paar Versuchen, mich mit Dostojewski auseinanderzusetzen, weil ich seine Sprache so unfassbar schlecht finde.
Dann mehrere angefangene, längere Blogtexte. Über das Reisen, über Irland, über Sternzeichen. Weiter unten ist noch eine ganz alte Liste aus Pre-Corona-Zeiten.
Und sonst auch juicy stuff:
„Hämosalbe, Proktologe, danach weg“ – das schrieb ich auf, weil jemand auf der Hundewiese Hämorrhoidensalbe gekauft hatte. Ich hatte nämlich auch einmal Hämos. Zumindest dachte ich das. Zuerst kaufte ich mir Salben. Weil es aber nicht besser wurde, googelte ich nach entsprechenden Ärzten. Proktologen nennen sie sich, wie ich lernte. Proktologen sind ausnahmslos haarige, bärtige und grimmig dreinschauende Männer. Das mag jetzt wie ein Witz klingen, aber einige Stunden nach dem Besuch der zahlreichen Webseiten hatte ich keine Beschwerden mehr.
„Therapie. kein Porn.“ – Der Freund aus Amsterdam, der mich letztes Jahr besuchen kam, befand sich in Therapie und es wurde ihm verboten, Pornos zu schauen. Hat mich beschäftigt. Aber ohne Erkenntnis.







