[Mi, 22.7.2026 – Werkzeuge, Ikea, tausend Pläne noch]

Das Nationalschießen ist glücklicherweise wieder vorbei und ich kann langsam Vorfreude für das erste Heimspiel am 15. August aufkommen lassen, gegen den soeben abgestiegenen FC Heidenheim, zur besten Uhrzeit an einem Samstagnachmittag. Hertha ist der einzige Club, der noch keine Neuzugänge zu verzeichnen hat. Ich versuche, es mit Gelassenheit zu nehmen, weil es beim Fußball immer so ist: Ich habe keinen Einfluss.

Am Samstag feiern wir den 134. Geburtstag unseres Fußballvereins auf dem Arkonaplatz. Ich werde am Samstagabend in Berlin ankommen, aber da wird es mir an Energie fehlen, um noch an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Es ist ein von Fans organisiertes Picknick, von meinem Fanclub vor einigen Jahren initiiert, weil Hertha am 25.7.1982 auf einer Parkbank am Arkonaplatz gegründet wurde.

Dann war ich gestern beim Cousin meiner Frau. Ich schreibe seit Jahren, dass er zwei Kilometer flussaufwärts wohnt, aber weil ich mittlerweile an dieser Aussage zweifelte, korrigierte ich mich letzte Woche und legte den Abstand auf einen Kilometer fest. Gestern ließ ich eine GPS-gestützte Aufzeichnung mitlaufen und jetzt weiß ich es genauer: Es sind 510 Meter. Fünfhundertzehn Meter klingen wirklich etwas mickrig. Das ist weniger weit, als von meiner Wohnungstür zur U-Bahn. Wenn ich mich hier im Wald befinde, denke ich gerne in nahezu endlosen Parametern.

Er zeigte mir die Maschinen, die ich mir nächstes Jahr von ihm ausleihen kann. Am wichtigsten ist dabei wohl die Maschine, mit der man Jungbäume und dichten Bewuchs entfernen kann. Ein Gerät, das auf den ersten Blick wie ein tragbarer Rasentrimmer aussieht, der an der Unterseite jedoch kein Drahtseil führt, sondern ein Sägeblatt wie eine Kreissäge. Ich ahne, dass das eine beeindruckende Maschine ist. Bereits der Förster hatte mir angeboten, mit solch einer Maschine unseren etwas verwilderten Wald auszuputzen. Er sagte mir, das seien gefährliche Maschinen, für die man eine Zertifizierung bräuchte. Das stimmt so aber nicht. Er hätte vermutlich gerne den Auftrag. So etwas mache ich aber wirklich selbst gerne. Ich wusste bisher nicht, wie gerne ich um das Haus herum arbeite. Lange verstand ich nicht, was ich eigentlich an den Dingen hier mag, ganz sicher weiß ich, dass ich nicht gerne die alten Fensterrahmen schleife, um sie nachher zu lackieren. Auch mag ich es nicht, wenn wir das Haus rot überstreichen müssen (alle fünf Jahre), aber etwas bauen, Schlösser an der Scheune anbringen, Holz aufbauen, um die Tore besser schließen zu können, das Gras mähen, Holz hacken, junge Espen entfernen, die toten Äste von den Birken abnehmen, Bäume zersägen, den persischen Flieder von den Wucherungen befreien, das Unkraut aus den Rosen entnehmen. Sowas könnte ich die ganze Zeit machen. Es kann gut sein, dass in mir ein kleiner Kobold schlummert, der Hausmeister sein möchte. Waldhausmeister. Waldmeister.

Heute fuhren meine Frau und ich nach Göteborg zu Ikea. Schwedische Ikeas zu besuchen, ist theoretisch lustig, aber nur, wenn man das Nicht-Schweden sagt. Das erste Mal war ich letztes oder vorletztes Jahr da. Beeindruckt hatten mich vor allem die ikonischen Schriftzüge INGÅNG und UTGÅNG, weil das auf deutschen Ikeas ja auch immer so prominent als EINGANG und AUSGANG vom Dach prangt. Die Namen der Möbel sind aber auf (öhm) schwedisch.

Mit dem Kauf der Wildkamera komme ich nicht richtig voran. Das ist mir aber zu kompliziert (und zu langweilig), es aufzuschreiben, dafür habe ich noch eine Liste an Dingen, die ich abarbeiten wollte, dazu gehört es auch, die Scheune einigermaßen einbruchssicher, oder zumindest einbruchshemmend herzurichten. Es stehen dort das Boot, zwei Gasflaschen und der Rasenmäher, neben vielen Kleingeräten und zahllosen Schrauben. Einige wertvolle Maschinen wie die Kreissäge, Akkubohrer, Rasentrimmer etc, können im Haus überwintern, aber der Rasenmäher passt da irgendwie nicht hin. Benzin und so. Es kommt mir wesensfremd vor. Für die Sicherheit habe ich verschiedene große Schiebeschlösser gekauft, die ich von innen montiere. Auch das ist alles schwierig und langweilig zu erklären. Da die Scheune aber nicht mehr in allzu gutem Zustand ist, muss ich die Tore und Türen an einigen Stellen mit Holz aufbauen, und während ich so sägte, schraubte und nagelte, fiel mir auf, wie viel Potenzial diese Scheune eigentlich hat. Das Gerüst wirkt noch sehr stabil, nur die Böden sind etwas morsch bzw. nicht mehr sonderlich stabil. An einigen Stellen sind die Böden sogar eingestürzt, aber wenn man diese neu verlegen würde und die Räume von innen isolieren und verkleiden würde, dann könnte man tolle Räume entstehen lassen, unter anderem ein schönes Arbeitszimmer für mich, auf dem Dachgeschoss über der Holzhütte, ich sehe dort schon eine Treppe hinauf, und man müsste oben nur noch ein Fenster bauen, von da aus könnte ich von meinem Schreibtisch aus auf den Fluss und in die Abendsonne schauen.

So hatte ich heute tausend Ideen, 20 davon fing ich an und keine davon brachte ich zu Ende.

[Mo, 20.7.2026 – Holzhacken, Kette, Whisky]

Während die anderen heute in die Stadt fuhren, blieb ich mit dem Schwiegervater beim Häuschen und hackte Holz. Ich habe vergessen, wie anstrengend es ist, Holz zu hacken. Im Winter denkt man gerne daran, dass man im Sommer schwitzend und mit nacktem (gestählten) Oberkörper Holzstämme verkleinert, in Wirklichkeit hievt man allerdings ständig schwere Gegenstände herum und die Holzklötze bleiben nie da stehen, wo man sie haben will. Bücken, aufstellen, neu positionieren, mit Hilfsmitteln hantieren, um die Axt wieder aus dem Holz zu bekommen, oder sie noch tiefer ins Holz zu manövrieren. Ziemlich bald verlangsamten sich meine Bewegungen. Ich zog das über mehrere Stunden durch, während ich mich kontinuierlich verlangsamte, bis ich feststellte, dass mein Körper schlichtweg keine Kraft mehr hatte. Ich kam nie wirklich ins Schwitzen, es ist kein Cardio-Training, keine repetitive, Muskelaufbau-fördernde Bewegung, es ist eher ein super anstrengendes allumfassendes wasweissich. Mir fehlt das Vokabular dafür.

Teile der Stämme wollte ich zudem mit der neuen Motorsäge zerkleinern. Die Motorsäge bekam ich ja erst vorgestern mithilfe des Cousins meiner Frau zusammengebaut. Als ich heute versuchte, einen Baumstamm zu zersägen, misslang mir das erstaunlicherweise. Das Schwert der Säge kam kaum im Holz voran. Danach stellte ich fest, dass ich die Kette falschrum montiert hatte.

Heute sah ich auf der großen Wiese hinterm Haus ein paar größere Stellen von niedergetrampeltem Gras. Ich musste sofort an das Tier denken, das sich vorletzte Nacht um das Haus geschlichen hat. Meine Frau sagt, das sei die Hündin gewesen, ich bin aber überzeugt davon, dass es ein wildes Tier war. Wir werden es nicht herausfinden. Gestern Abend recherchierte ich noch lange über Wölfe und ich fand heraus, dass wir unweit eines Korridors wohnen, in dem Wölfe von Norden nach Süden ziehen. Der bekannte Korridor befindet sich etwa 20 Kilometer von uns entfernt. Andererseits: Who cares. Solange es keine Eisbären sind, ist alles halb so schlimm.

Am Abend grillten wir. Ich saß draußen mit dem Schwager, der sich für das Grillgut verantwortlich sah. Ich saß nur ein bisschen in der Sonne mit einem Bier und gab schlaue Kommentare von mir. Er hatte einen schwedischen Whisky mitgebracht, von einer jungen Brennerei namens Agitator, die Whisky unter Vakuum herstellt und in Retroflaschen, die an alte Apothekerbehälter erinnern, abfüllt. Von dem Whisky schenkte er uns ein ordentliches Glas ein und dann noch ein ordentlicheres kurz danach. Das Getränk nahm ziemlich schnell ziemlich viel Platz in meinem Kopf ein.

[So, 19.7.2026 – Tapeten, Temperaturen, Tiere]

Wir tapezierten die letzten Meter, die vom Mai übrig geblieben waren, zu Ende. Tapezieren ist eine Tätigkeit, die ich wirklich nicht mehr machen will. Nun hat meine Frau den Wunsch geäußert, auch das obere Zimmer im Gästehaus zu tapezieren. Jetzt ,wo wir es so gut können, sagte sie. Ich weiß noch nicht, wie ich diesem liebevoll formulierten Wunsch begegnen soll.

Die Temperatur kühlte am Samstag auf angenehme 22 Grad herunter. Ein paar Mal regnete es. Dieser Sommerregen. Ich spielte mit der Hündin draußen im Regen.

Es kam aber auch wieder die Sonne. Am Samstagabend saßen wir wieder in der Sonne, anstatt im Schatten. Die Westseite des Hauses ist ein wirklich schöner Ort, bei dem man auf einem kleinen Wiesenstreifen zwischen Wald und Häuschen sitzen kann und der sinkenden Sonne hinterherschaut. Das ist die Seite, auf der weiter unten am Waldhang auch meine neue Bank steht. Dort saßen wir auch fast jeden Abend, um ein wenig zu quatschen. Die Hündin mag die Stelle allerdings nicht. Ich vermute, dass es an den Ameisen liegt. Nachdem ich mich wunderte, wie schnell sie wieder zurück zum Haus lief, sah ich, dass im Boden tausende von Ameisen wimmelten. Das war jeden Abend so. Wir saßen auf der frisch lasierten Bank, da ließen uns die Insekten natürlich in Ruhe, aber als Hund kriechen sie dir in die Schnauze und die Ohren.

In der Nacht schlich sich für längere Zeit ein größeres Tier ums Haus herum. Die Hündin regte sich ständig darüber auf. Ich hörte es ein paar Mal leicht poltern und einmal stolperte es über die liegende Regenrinne. Natürlich stand ich auf. Ich hätte es cool gefunden, wenn es ein Elch gewesen wäre. Der hätte fast bei den Fenstern oben in den Schlafzimmern reinschauen können. Nah, vielleicht ist das übertrieben. Jedenfalls sah ich keinen Elch. Vielleicht nur ein Marder oder ein Wildschwein. Luchse sind nicht so tollpatschig. Für Bären ist die Gegend glücklicherweise zu südlich. Auch für den Vielfraß. Der Vielfraß ist ein Scheißtier, wie ich seit Kurzem weiß. Die greifen auch Hunde an.

Heute kam der Förster vorbei. Normalerweise kommt er vorbei, um nach den Bienenstöcken zu schauen, die er bei uns aufgestellt hat. Und er hält immer gerne ein Pläuschchen. Heute kam er aber nur für die Fische. Er hatte gerade einen Hecht aus dem Wasser gezogen. Hechte mag er aber nicht, er mag nur die anderen. Dabei nannte er einen schwedischen Namen, den ich mir zu merken vergaß. Den Hecht warf er wieder zurück ins Wasser. Er erzählte uns von einigen Wölfen, die etwa 50 Kilometer südlich von uns Schafe reißen. Schon seit mehreren Monaten. Und man dürfe sie nicht jagen. Er beneidete die Samen in Lappland. Die hätten unlängst per Gesetz die Erlaubnis bekommen, prinzipiell alles jagen zu dürfen, was sich bewegt. Menschen ausgenommen natürlich.

Ich bin kein Freund von Wölfen. Aber wenn nicht in Schweden, wo dann? In Finnland vielleicht. Und Russland. Bei näherer Betrachtung braucht Schweden keine Wölfe. Die können auch nach Russland.

Am späten Nachmittag kamen dann meine Schwiegereltern und mein Schwager. Wir hatten das Haus aufgeräumt und Essen vorbereitet. Mittlerweile ist die Temperatur noch einmal eingebrochen. Heute hatten wir 13 Grad. Von 31 auf 13 innerhalb von zwei Tagen. Aber: Ich werde jetzt wesentlich erholsamer schlafen. Dafür machten wir ein Feuerchen im Kamin und saßen davor. Die Hündin legte sich vor uns auf den Boden. Man hätte ein Foto machen und es einem Tourismusbüro schicken sollen. Aber die machen solche Fotos heute sicherlich mit KI.

[Fr, 17.7.2026 – Sysbolla, Wasser wieder, Maschinen]

Mit dem jungen Verkäufer des lokalen Alkoholladens bin ich jetzt per Du. Ich bin fast jeden zweiten Tag da. Weil wir immer ein bisschen planlos einkaufen und immer etwas dazwischenkommt. In Schweden kann man Alkohol ja nur in diesen staatlich kontrollierten Spezialläden namens Systembolaget kaufen, oder wie meine Frau sie nennt: Sysbolla. Die Sysbollas geben sich als Fachgeschäfte aus. Betritt man einen der Läden, wird man nicht selten von Verkäuferinnen angesprochen, die ihre Hilfe bei der Wahl der Getränke anbieten, und überall stehen Schilder, die einen auffordern, das Personal anzusprechen. Es wundert mich, dass es noch keine Umkleidekabinen gibt, in denen man hinter zugezogenen Gardinen kleine Probefläschchen zu sich nehmen kann.

Neulich sprach mich auch dieser junge Mann an, ein großer Schwede mit zusammengebundenen Haaren. Er kam gerade mit einem Karton aus dem Magazin und fragte mich, ob ich Beratung bräuchte. Dabei sagte ich, wie immer „Nej tack!“, weil ich beim Kauf von Alkohol wirklich keine Beratung brauchte. Kurz darauf sah ich allerdings, dass der französische Bio-Cidre immer noch ausverkauft ist, das ist er seit nunmehr fast zwei Wochen, und daher bat ich ihn kurz um Auskunft. Er wunderte sich ein wenig. Er meinte, er hätte erst heute noch die entsprechenden Flaschen gesehen, und so verschwand er für einige Augenblicke in seinem Magazin. Zurück kam er schließlich mit einem ganzen Karton dieses französischen Bio-Cidres. Er sagte, sie seien falsch gelabelt gewesen und deswegen seit Wochen nicht ins Fach nachgefüllt worden. Er bedankte sich für meine Aufmerksamkeit. Weil wir ohnehin gerade einen Gesprächskanal zueinander geöffnet hatten, wollte ich von ihm wissen, warum sie von der Göteborger Stigberget Brauerei lediglich die immer gleichen 4 Sorten im Angebot haben. Schon seit Jahren. Auf der Stigberget Webseite findet man nämlich 30 oder mehr weitere Bierstile. Er entschuldigte sich dafür, und sagte, dass das schlicht am Publikum hier in der Provinz läge. Die Filialen in Göteborg oder Stockholm seien da natürlich wesentlich besser ausgestattet. Er könnte für mich aber alles von Stigberget bestellen, dann würde es kostenlos hierher in die Filiale geliefert werden. Er öffnete die Sysbolla-Webseite auf seinem Diensttelefon und wir scrollten durch das immense Getränkeangebot. Ich interessierte mich vor allem für die Pilsner-Varianten und die Session-Pale-Ales. Außerdem wollte ich deren alkoholfreies probieren. Wir waren dabei nur mittelmäßig erfolgreich. Zwar fanden wir zwei Pilsner von Stigberget und ein Helles, das Session-Bier gab es aber nicht und das alkoholfreie auch nicht. Das war ihm merklich unangenehm. Er versuchte mir umständlich zu erklären, dass das Session-Bier eventuell aufgrund einer lokalen Bevorzugung nicht verfügbar sei. Stigberget käme ja aus Göteborg und die lokalen Sysbollas versuchen manchmal, lokale Brauereien zu promoten. In diesem Fall eine Brauerei, deren Namen mir wieder entfallen ist. Ich sagte: Ja, die kenne ich, aber die sind mir zu unelegant gehopft. Viel zu hart. Er drehte sich zu mir um, öffnete seine Augen und sagte: Yessss! The hops is not elegant! Die Bezeichnung schien ihm sehr gefallen zu haben. Er mochte die Biere dieser lokalen Brauerei auch nicht. Stattdessen schlug er mir vor, das Session Pale Ale von Oppigards zu nehmen, das käme an Stigberget heran, das kannte ich aber schon, und auch wenn ich Oppigards in der Regel wirklich mag, sind mir viele von denen doch nicht gut ausbalanciert. Das New Sweden IPA sei allerdings fantastisch und das Golden Ale auch. Das Session Pale Ale fand ich aber zu malzig. Er nickte. Er könne das nachvollziehen, er fände die Malzigkeit aber durchaus gelungen. Ich sagte, das sei auch nur meine ganz persönliche Präferenz, es sage wenig über die Qualität des Bieres aus, die bei Oppigards ja durchaus gegeben sei.

Undsoweiter.

Mit diesem Gespräch war die Grundlage für unsere ewige Freundschaft gelegt. Wir sind jetzt per Du. Zwar sind alle Schweden miteinander per Du, aber wenn ich den Laden betrete, winkt er mir schon von Weitem zu. Gelegentlich fachsimpeln wir. Meistens blinzeln wir uns aber nur in Geheimsprache zu. So von Kenner zu Kenner.

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Die letzten beiden Tage war es sehr warm bei 31 Grad. In der Sonne ließ es sich bereits nicht mehr aushalten. Dafür war das Flusswasser angenehm temperiert. Wir gingen jeden Tag darin schwimmen. Eigentlich hasse ich es, ins Wasser zu gehen. Wenn ich aber im Wasser bin, will ich es nicht mehr verlassen. Das geht jeden Tag so. Jeden Tag, wenn ich an der Holztreppe zum Fluss stehe und nicht hinein will (während Frau und Hündin bereits im Wasser planschen), denke ich, dass ich heute wirklich nicht ins Wasser muss, dass ich mich wirklich gerade wohlfühle, keine Abkühlung brauche und überhaupt brrrr ist ja ohnehin zu kalt. Mittlerweile habe ich natürlich gelernt, dass ich nachher nicht mehr aus dem Wasser heraus will, weil es so schön ist, ich kenne dieses Gefühl, und ich weiß auch, dass ich mich nach dem Reinspringen ärgere, dass ich mich immer so lange dagegen wehre, weil es danach im Wasser immer so schön ist, aber nicht heute, heute brauche ich es nicht, wie jeden Tag, ich brauche es nie, wirklich nie, ich kann auch draussen sitzen bleiben und den beiden zusehen. Dann stecke ich eine Zehenspitze ins Wasser, fünf Minuten später bin ich schon mit dem Knie drin. Die schwierige Phase beginnt dann mit dem Penis (sehr viel Peniskontent in letzter Zeit), und irgendwann bin ich dann mit Bauch und Brust im Wasser, bei denen mir immer das Gehirn einzufrieren scheint. Nachdem eine halbe Stunde vergangen ist, schwimme ich plötzlich und denke mir, warum ich mich immer so anstelle und so viel Zeit verliere, im Wasser schwimmen ist schließlich die beste Sache der Welt und ich möchte das jeden Tag machen und überhaupt, ich will gar nicht mehr aus dem Wasser heraus.

So ist das.

Morgen stürzt die Temperatur auf angenehme 20 Grad und übermorgen auf 13. Ich weiß nicht, wie man bei 13 Grad ins Wasser geht.

Am Abend kamen der Cousin meiner Frau und seine Frau zu Besuch. Wir hatten sie zum Abendessen eingeladen. Sie wohnen etwa einen Kilometer flussaufwärts und wir treffen sie mittlerweile regelmäßig, dabei sind wir sehr froh, dass sich ein so guter Kontakt zueinander entwickelt hat. Der Cousin war in jungen Jahren Punkmusiker und gleichzeitig kennt er sich mit Waldarbeit aus und mit all den Dingen, die mich hier beschäftigen. Er schlug vor, dass ich nächste Woche bei ihm vorbeikomme, und er zeigt mir ein paar seiner Maschinen, allen voran ein Werkzeug, mit dem man großflächig Jungbäume niedersensen kann. Er weiß, dass das eine meiner Hauptbeschäftigungen ist, vor allem im Frühjahr, wenn überall kleine Espenstämme spießen, aber auch, um Teile des Waldes begehbar zu machen, zB dort, wo ich meine Bank hingestellt habe. Er half mir auch mit meinem Kettensägenproblem. Ich schaffte es ja nicht, das Schwert samt Kette auf den Motor aufzusatteln. Jetzt wissen wir: Man braucht nur mehr Kraft. Am besten vier Hände. Jetzt kann ich sägen.

Eigentlich wollten wir draußen sitzen, noch bevor wir das Essen aufstischten, begann es aber zu donnern und schließlich zu nieseln. Wir setzten uns rein und ich weiß jetzt schon, dass der Samstag ein ziemlich verkaterter Tag sein wird.

[Mi, 15.7.2026 – Waschen]

Als ich bereits im Bett lag, überkam mich das Bedürfnis nach einer Dusche. Mir war warm. Die Dusche steht zehn Meter von dem Haus entfernt, das Wasser im Schlauch würde aber nicht mehr warm sein, da der Schlauch sicherlich schon einige Stunden im Schatten gelegen hatte. Ich fühlte mich aber überaus unwohl, das bisschen kaltes Wasser würde mich schon nicht erschrecken. Allerdings vergesse ich hier im schwedischen Wald immer wieder, was für ein Warmduscher ich in Wirklichkeit bin. Als ich das Wasser anmachte, hörte mich meine Frau, die im Haus oben im Schlafzimmer lag, schreien. Deswegen schaltete ich das Wasser auch sofort wieder aus. Dann ging ich in die Küche und füllte einen Eimer mit heißem Wasser. Ich möchte wirklich wissen, wie sich die Menschen in diesem Haus vor hundert Jahren wuschen. Es gibt hier nämlich kein fließendes Wasser. Erst seit einigen Jahrzehnten ist der Brunnen unten am Fluss mit dem Waschbecken in der Küche verbunden. Das war einmal ein kleiner Bauernhof für arme Leute. Ein sogenanntes Soldat Torp. Es wurde von Soldaten bewohnt, die in Friedenszeiten Kleinbauern waren, während in Kriegszeiten die Frau den Hof alleine bewirtschaftete. Kam der Bauer aus dem Krieg nicht zurück, musste die Witwe Platz für den nächsten Soldaten machen. Manchmal heiratete die Witwe den neuen Soldaten. Meist verarmten die Witwen aber.

Vermutlich wuschen sie sich in Badewannen. Einmal die Woche. Wie meine Mutter aus ihrer Kindheit erzählte. Dass zuerst der Vater in die Wanne stieg, dann die Mutter und sich dann einmal die ganze Hierarchie herunterwusch, bis sie als jüngste Tochter zum Schluss in einer Dreckbrühe am Zug war.
Wir haben letztes Jahr aber eine Außendusche gebaut. Eine kleine Holzplattform auf Betonfüßen, an der wir im Sommer vier Schotten aus Leichtholz dran festmachen. Das warme Wasser kommt von einem 40 Meter langen Schlauch, der den ganzen Tag in der Sonne liegt. Der Schlauch ist nämlich nur an das kalte Brunnenwasser angebunden. In Zukunft werde ich den Schlauch an die Regentonne anbinden, um Brunnenwasser zu sparen, aber die Regentonne habe ich noch nicht so funktional eingesetzt bekommen, wie ich mir das wünsche. Alternativ kann ich Wasser aus dem Fluss hochpumpen. Dafür kaufte ich letztes Jahr eine Pumpe, die 14 Höhenmeter überwinden kann. Aber um das alles einigermaßen praktikabel betreiben zu können, muss ich mehr ausprobieren und mir noch einige Gedanken dazu machen. Bisher wuschen wir uns im Fluss. Oder an einem kleinen Waschbecken.

Ey, aber wir haben hier 1Gb Glasfaser mitten im Wald.

[Di, 14.7.2026 – Sack, komplexitätslose Probleme, wenig Lektüre]

Ich überlege schon die ganze Zeit, wie ich das Geschehene einigermaßen in einer künstlerischen Form auf Papier bringen kann, deswegen am besten einfach direkt: In meinem Hodensack hat sich eine Zecke festgebissen. Ich fand es ja immer schon seltsam, dass sich Zecken vorzugsweise auf dem Bauch oder dem Rücken festsetzen, während es sich doch wesentlich geräuschloser dem Zeckenbusiness nachgehen lässt, wenn man sich an versteckteren Orten einnistet. z. B. in Achselhöhlen oder im Schamhaar oder eben auf dem Hodensack. Wir checken uns jeden Abend vor dem Schlafengehen wegen Zecken ab. Wie präzise ich dabei den Hodensack untersucht hätte, lässt sich schwer sagen. Ich entdeckte das Spinnentier heute auch nur zufällig, weil ich von der Außendusche kam und mich vor dem Haus beim Trocknen in der Morgensonne die Eier kraulte.

Die Kettensäge habe ich übrigens immer noch nicht in Betrieb genommen. Sie wurde in zwei Teilen geliefert und muss noch zusammengebaut werden. Ich verstehe nicht, wie ich das Schwer samt Kette auf den Motor anbringen muss. Die Anleitung ist sehr präzise, sie lässt jedoch genau diesen einen Schritt aus. Auch die KI ist dabei keine Hilfe. Deswegen legte ich die Maschine vor einigen Tagen beiseite, um das Problem auf später zu verlagern. Die Probleme, die ich hier habe, sind sonst alle schön zweidimensional, die sich mit Tatkraft aber sonst unkompliziert lösen lassen: ein umgefallener Baum, ein schwerer Gegenstand, dichtes Gras, ein verirrter Schmetterling, fehlendes Brot, fehlendes Bier. Mein Leben würde ich gerne auf dieser Komplexitätsebene belassen.

Heute ging es mir nicht besonders gut. Letzte Nacht schlief ich schlecht. Ich war den ganzen Tag müde und kraftlos. Irgendwas hat mich heimgesucht. Wir haben hier 30 Grad, während es in Berlin angenehme 24 sind. Der Norden ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war. Zugegebenermaßen sind die 30 hier wesentlich erträglicher als in Berlin. Außerdem kühlt es nachts immer gut ab. Noch. Dafür saß ich den ganzen Tag im Schatten vorm Haus und las. Ich habe nur drei Bücher mitgenommen. Wenn ich mit Knausgård durch bin, dann bleiben nur noch zwei dünne Bücher übrig. Die Traumnovelle von Schnitzler und von Schirachs Regen. Die lese ich vermutlich in einem Rutsch durch.

[Mo, 13.7.2026 – Insignien, Werkzeug]

Wir gehen hier ja mit den letzten Sonnenstrahlen ins Bett. Gestern schien sogar noch lange die Sonne ins Zimmer herein, während meine Augen mir zufielen. Unsere Freunde fuhren heute wieder zurück in den Süden. Die Hündin schien sich den ganzen Tag zu fragen, wo die ganze Action plötzlich hin ist. Keine wilden Jungs mehr, die ständig Bälle werfen und sich jagen lassen.

Die Hündin hat uns beim Schwimmen übrigens zerkratzt. Gestern liefen wir alle mit ihren Insignien (drei rote Striche, der mittlere Strich länger) durch die Gegend. Sie wollte uns ja nur immer retten. Die gute Absicht stimmt uns milde.

Am Nachmittag fuhren wir in die Stadt, um ein paar Erledigungen zu machen. Kissenbezüge und Schrauben. Als wir wieder zurück waren, wollte ich den leckenden Schlauch reparieren und musste feststellen, dass mir ein Anschlussstück fehlte. So geht es hier eigentlich die ganze Zeit. Es fehlt eine Kleinigkeit, dann müssen wir in die Stadt. Das ist bei Werkzeug so, aber auch beim Essen. Die Stadt ist nicht gerade um die Ecke, sondern etwa 30 Autominuten entfernt. Ich weiß nicht, wie andere das machen. Vermutlich planen sie die Stadtbesuche sorgfältiger. Berlinbewohner wie wir sind es schlichtweg nicht gewohnt, etwas nicht sofort zur Verfügung zu haben.

Zurück im Wald spielten wir Memory. Ja genau. Ich verlor.

[So, 12.7.2026 – Wasser, Essen]

Wir waren alle ausgiebig im Fluss baden. Dabei hatten wir ungemeinen Spaß und die Kinder fragten, warum wir das nicht schon früher getan hatten. Nun. Hatten wir eigentlich ja, aber der Spaß war vorher weniger gewesen. Warum der Spaß damals weniger war, blieb jedoch ungelöst.

Auch die Hündin kam heute mit. Sie kann mittlerweile schwimmen, sie ist dabei aber sehr aufgeregt, und bei der Tiefe des Flusses habe ich Angst, dass sie sich verausgabt und etwas passiert. Ja, auch ich habe das Recht, mal besorgt zu sein. Für unsere Kajakfahrten kaufte ich ihr im Winter eine Schwimmweste. Auch wenn Hunde schwimmen können, empfiehlt es sich, sie mit einer Schwimmweste auszustatten. Wenn es auf dem Wasser nämlich zu Unfällen kommt, dann geht das nämlich immer mit Stresssituationen einher und eine Weste verhindert Übermüdung bei Stresssituationen. Weil ich das Kajak in Berlin lassen musste, aber die Schwimmweste dabei hatte, zog ich sie ihr an, und so sprang sie mit in den Fluss. Anfangs war sie aufgeregt, nachdem sie aber zu merken schien, wie sie mit der Weste trieb, beruhigte sie sich und watete vor sich hin. Sie tat das Gleiche, wie auch zu Land. Sie watete von Mensch zu Mensch, um zu sehen, ob auch alle beisammenblieben. Was nicht ganz einfach war, weil die beiden Kinder ständig das Wasser verließen und vom Ufer her als Arschbomben in das Wasser sprangen.

Den Rest des Nachmittages saßen meine Frau und ich oben im Schatten des Hauses auf den Bänken und lasen. Die Freunde fuhren ins Dorf und die Kinder lagen im Gästehaus. Das Wasser hatte uns cremig gemacht.

Übrigens schrieb ich auffallend wenig über das Essen. Heute aßen wir Risotto mit einer selbstgemachten Brühe aus Garnelenabfall. Neulich aßen wir nämlich Garnelen als Snack. Die Freundin aus Südtirol wollte die Schalen nicht einfach so wegwerfen, sondern kochte den ganzen Abfall einfach zu Brühe ein. Eine wirklich hervorragende Idee. Heute verwendete sie diese Brühe für Risotto mit Muscheln und Meerestieren.

Was aßen wir sonst noch? Pizza aus unserem Pizzaofen natürlich. Leider hatten wir den Teig diesmal nicht im Griff. Fotos poste ich deswegen keine. Einmal gab es Pasta al limone, gestern machte meine Frau kaltgekochten Lachs, am ersten Tag bereitete ich Pesto zu und einmal grillten wir. Meinen in Wien sozialisierten Freunden wollte ich eine Freude bereiten, indem ich schwedische Käsekrainer, also sogenannte Eitrige, auf die Liste setzte. In meiner Sozialisation gehören Eitrige nämlich zum Wiener Kulturgut, wo man schon morgens eine Eitrige mit einem Gschissenen zu Bier bestellen kann. Diese Gastgeberfreude wurde aber nur mittelmäßig geteilt.

[Sa, 11.7.2026 – Vänern, Vättern, Habo]

Ich lese gerade den dritten Teil von Knausgårds autobiografischen Texten. Mein Freund fragte mich, wie ich Knausgård eigentlich fände. Ich gab in diesem Zuge zu, dass ich Knausgaard nur aus dem Grund angefangen hatte zu lesen, um ihn nicht zu mögen. Ich wollte einfach ein paar gute Argumente haben, warum ich ihn nicht mochte. Er sah zu gut aus, er arbeitete offenbar mit einer radikalen Subjektivität und Schonungslosigkeit sein eigenes Leben auf. Natürlich musste ich da nur neidisch sein, ich würde schon etwas finden, das ich nicht mögen würde. Nun, es kam dann wirklich anders. Jetzt sitze ich beim dritten Band.

Das sagte ich meinem Freund so ähnlich.

Jetzt habe ich die Holzbank fertiggestellt. Ich brachte sie in das Wäldchen unter dem Haus. Dort wird sie jetzt stehen.

Heute fuhren wir zum Vätternsee. Eigentlich wollte mein Freund zum Vänernsee. Weil das der größte See der EU ist und er wissen wollte, wie es ist, wenn man das andere Ufer nicht sieht. Stattdessen fuhren wir zum Vättern. Man kann auch dort das andere Ufer nicht mehr sehen und der Vättern liegt etwas näher bei uns. Auch bot es sich an, die Holzkirche von Habo zu besichtigen. Diese Kirche hatte ich vor einigen Jahren einmal besucht, wie ich aber soeben feststellte, schrieb ich nichts darüber. Eventuell fiel der Besuch der Kirche in die Zeit zwischen 2019 und 2021, in der ich solche Banalitäten nicht zu Papier brachte. Weil ich mich nicht wiederholen wollte, schoss ich heute auch kaum Fotos vom Inneren der Kirche. Sie ist wirklich sehr beeindruckend. Dabei ist es schwer zu beschreiben, warum. Sie ist von innen lückenlos auf jedem Zentimeter bemalt. Das klingt in der Beschreibung eher unspektakulär, entfaltet aber eine ungemeine Wirkung, wenn man das Gebäude betritt.

Das Wasser des Vättern war dann eher frisch. Meine Frau und unsere Freunde gingen zum Strand, während ich mit der Hündin durch den Wald spazierte. Am offiziellen Sandstrand des Ortes, den wir angefahren hatten, waren nämlich keine Hunde erlaubt. In Schweden gilt aber das Allemansrätt, was vereinfacht gesagt bedeutet, dass man machen kann, was man will, wenn man nur weit genug von anderen Menschen entfernt ist. Dann erreichte ich einen kleinen Sandstrand, auf dem ich mehrere Hunde erspähte. Ich sprach direkt einen Mann an, zu dem ganz offensichtlich zwei Huskys gehörten, und fragte ihn, wie das hier mit den Hunden gehandhabt würde. Der Mann war sehr freundlich und hatte einen fröhlich vor sich her baumelnden Penis. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Nacktbadestrand war, ich sah auch Menschen mit Badehose, aber auch viele Brüste und mindestens noch einen weiteren Penis. Der Mann sagte mir jedenfalls, dass das mit den Hunden hier nördlich des Ortes vollkommen okay sei. Ich bedankte mich, rief sofort meine Frau an und erzählte ihr, dass wir uns auch alle gemeinsam auf diesem Strand treffen könnten. Sie fand das eine super Idee und wollte die Lage besprechen. Als sie mich danach anrief, war die Lust auf Wasser wieder etwas verflogen. Die Temperatur des Wassers war noch etwas kalt und die Kinder wollten lieber etwas essen. Mir war das auch recht.

Zwischendrin machten wir eine kleine Pause in einem Dorf namens Gustav Adolf. Nicht nur wegen des Namens. Aber ein bisschen schon.

[Do, 9.7.2026 – Fluss, Bärensee, Sonne]

Morgens, wenn ich über die kleine Wiese runter zum Klo laufe, scheint die Sonne hinter der Linde hervor. Ich drehe mich um und lasse mir den Rücken wärmen. Das ist so ein schönes Gefühl. Ich verstehe schon, warum Menschen esoterisch werden.

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass der Rasenmäher eine der besten Maschinen ist, die ich bisher besessen habe. Er läuft sogar der Akkukreissäge den Rang ab, für die ich bisher die stärksten Gefühle empfand. Die Rasenmaschine hat genug Wumms, um meterhohes Gras umzusensen. Sogar hinten auf der großen Wiese komme ich ohne große Mühe durch den dichten, wilden Wuchs hindurch. Hinter mir verfolgt mich die Hündin, die sich im frischgemähten Gras wälzt.

Morgen oder übermorgen werde ich die Akkukettensäge auspacken und aktivieren. Die Kettensäge hat natürlich das Potenzial, in meiner Gefühlswelt auch den Rasenmäher zu übertrumpfen.

Mittlerweile sind auch unsere Meran Freunde angekommen. Die Kids finden es super. Sie schmeißen sich in den Fluss und spielen mit der Hündin. Unser Tier verausgabt sich. Es gab noch nie jemanden, der beim Bällewerfen so viel Ausdauer hatte, wie der zwölfjährige Junge.

Gestern legten wir die Treppe in den Fluss und brachten auch das Ruderboot ins Wasser. Wir ruderten dann zu viert bis zum Wasserfall hinauf. Der kleine Sohn wollte ständig vom Boot aus ins Wasser springen, aber er traute sich letztendlich nie. Das Wasser ist dunkel und wir haben ihm erzählt, dass der Fluss sehr tief ist. Das haben wir gesagt, damit er vorsichtig ist. Der Grat zwischen Vorsicht und Angst ist aber immer schmal. Vielleicht haben wir übertrieben.

Wir fuhren auch zum Bärensee, der 4km entfernt liegt. Mein Freund wollte sich ihn nur ansehen. Vielleicht würden wir einmal alle gemeinsam dort baden gehen. Der See ist immer etwas wärmer als der Fluss, da der Fluss ja ständig frisches Wasser aus dem Norden nach Südwesten führt.

Dann meine Holzbank. Wie neulich berichtet, baute ich zusammen mit dem Sohn meiner Nachbarin in Berlin eine Holzbank, die ich hier am Hang im Wald aufstellen will. Sie muss aber noch lasiert werden. Zwei Lagen. Das macht meine Frau. Sie ist Lasier-Queen. Ich brauche auch noch lange Schrauben, um die einzelnen Bretter zu befestigen. Inzwischen räumte ich das Stückchen Wald aus, in dem ich die Bank stellen will. Das hatte ich zwar vor 5 Wochen bereits getan, aber in dieser kurzen Zeit ist alles wieder nachgewachsen. Sogar Jungbäume. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ich jeden Jungbaum im Umkreis von hundert Quadratkilometern ausgerissen hatte.

Nun.

Was ist sonst noch passiert? Die ersten beiden Tage waren angenehm kühl. Aber mittlerweile brennt die Sonne nieder. Wir stellen hier mehrmals am Tag die Gartenmöbel um. Die ersten Tage folgten wir immer der Sonne. Mittlerweile folgen wir dem Schatten. Es hat eigentlich nur 24 Grad. Aber in der direkten Sonne ist mir das schlichtweg zu warm. Im Schatten ist es aber sehr angenehm. Heute baute ich auch die Außendusche auf. Wir haben uns ein neues Wasserkonzept ausgedacht. Wir lassen 40 Meter Schlauch in der Sonne liegen, am Ende des Schlauches haben wir eine Art Brause befestigt. Die Brause kommt aus dem Gartenbereich bei Toom. Damit wässert man Pflanzen. Sie hat aber einen sehr praktischen Knopf, mit dem man das Wasser dosieren kann. Danach ließ es sich prima damit duschen. Das Wasser war sogar zu heiß.

Ich werde in diesen drei Wochen keine Audioaufnahmen der Beiträge anfertigen. Es fehlt mir hier am Equipment.