Ich will keinen Löffel zu Spaghetti

Ich will in einem italienischen Restaurant keinen Löffel zu Spaghetti. Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht. Auch nicht wenn das in Deutschland ist. Ich will nicht.
Punkt.
Nein, kein Punkt, sondern Komma: und wenn ich noch einmal einen Löffel bekomme, dann bestelle ich eine Zange dazu. (so, jetzt werden sie zittern)

Meine nächsten verkochten Nudeln preise ich dann einfach als reduzierte Pasta an.

Redukt

Gesternabend meine Möhrensuppe vom Vortag zu einer Nudelsauce reduziert und in Marmeladegläsern abgefüllt. Redukt, redukt, den halben Abend glückseelig gerührt. Fühlt sich an wie Hexerei.

(und wenn es im Kühlschrank nichts mehr zum Reduzieren gibt, dann bin ich irgendwann selbst dran)

eine wahrlich erotische Sauce

Wie meine treue Leserschaft wahrscheinlich wissen wird, besitze ich eine äusserst glückliche Hand in der Küche, die schon etliche Heiratsgesuche per Email reinflattern liessen und wovon man sagt, dass schon sämtliche Menschen willsenschwach umgefallen seien. Nichts ist jedoch weniger wahr, als diese vermeintlich glückliche Hand. Ich bin ein absolutes Disaster am Herd, aber da ich dies alles hinter der Fassade des Küchenpunkrock verberge, merkt man es mir nicht an. Ich koche halt mit Liebe. Mit Liebe verwandle ich die Küche in einen riesigen Schweinestall, ganz verliebt rühre ich meinen Risotto zu Tode und merke es erst, wenn sich der Kochlöffel plötzlich vor lauter Angebranntem nicht mehr bewegen lässt. Von der Liebe singen Maria Callas und ich, während ich den Fisch in der Pfanne wende und all das spritzende Fett die Küchenwände verschmiert, oder wenn das Gemüse in der Pfanne und ich uns eine ganze Flasche Weisswein teilen. Aus Liebe lasse ich es brutzeln und rauchen. Je lauter es in der Küche hergeht, desto mehr Freude herrscht in meinem Hause.

Was ich jedoch gerade eben gekocht habe, hat mir völlig die Stimme verschlagen. Sogar Maria Callas unterbrach ihr “Casta Diva” aus den Lautsprecherboxen und staunte erstmal. Ich dachte mir heute nämlich einmal eine Sauce zu kochen.
Nachdem ich vor einigen Monaten von dem sehr netten Herrn, der hier manchmal unter dem Namen “Der Langweiler” kommentiert, ins Restaurant “Vienna” in Eimsbüttel eingeladen wurde, hat sich für mich eine neue Welt des Kochens aufgetan. Das weiss ich seit heute.
Wir hatten an jenem Abend sehr viel getrunken, der Herr Langweiler entpuppte sich nämlich alles andere als langweilig, überdies hatte er eine äusserst sichere Hand bei der Auswahl der Topinambur- und Birnenschnäpse. Zwischen den Schnäpsen und den Hektolitern Rotwein bekamen wir ein Essen serviert, bei dem es mir, gleich wie heute, die Sprache verschlug. Es war vor allem diese Sauce, von der ich nachher noch wochenlang, mitten in der Nacht, schweissgebadet aufwachte. Gleich wie es früher nur feuchte Träume zu tun pflegten. Eine Sauce die meine Sinne vernebelte, eine Sauce, die fünfmal ihren Geschmack veränderte während sie sich über meine Zunge ausbreitete.
Als der Herr Langweiler und ich zur Sperrstunde, uns an Stühlen und Tischen festhaltend, versuchten das Lokal zu verlassen, sah ich am Ende des Raumes den Küchenchef ganz alleine sitzen und irgendwelche Geheimnisse auf Papier zu schreiben. Vielleicht schrieb er Rechnungen oder er entwarf neue, noch erotischere Gerichte, ich weiss es nicht. Was ich in dem Moment jedoch unbedingt wissen musste, war, wie ich mir diese Sauce selbst, zuhause zusammenbrutzeln konnte. So sank ich vor ihm in einem Stuhl nieder und schwärmte erstmal drei Minuten lang von der Sexualität dieser Sauce und bat ihn anschliessend, nein ich flehte ihn an, mir die Zubereitung dieser zu erklären. Er lächelte freundlich und erklärte mir ohne zu zögern und sehr detailiert die Rezeptur. Ich hörte gespannt zu und bekam schon beim blossen Hinhören wieder Hunger, wobei ich fast zu schmelzen drohte und man mich beinahe als Mequitosauce vom Boden hätte schlecken können. Ich war begeistert, wenn der Kater vorbei wäre, dann wollte ich mich gleich dranmachen und einen Riesenkleks Erotik auf den Tisch zaubern.

Am nächsten Tag wachte ich auf und das Rezept war aus meinem Kopf verschwunden. Erst dachte ich noch es sei bloss der riesige, fette Kater, der sich in meinem Kopf breitgemacht hatte und jegliche Erinnerung verdrängte. Als der Kater jedoch drei Tage später vorbei war, klaffte da immer noch diese Lücke. Ich wusste nur noch einige Kleinigkeiten, dass eben Sahne dazugehörte und Brühe. Das wichtigste von allem hatte ich zum Glück nicht vergessen: das Wort Reduzieren! Meine treue Leserschaft weiss vielleicht was reduzieren heisst, meine Leserschaft ist ja ein Haufen gebildeter Leute, aber für mich war das neu, und wie er mir dieses Reduzieren erklärt hatte, wusste ich sofort, dass dies etwas für mich sei. Reduzieren heisst einfach köcheln lassen und rühren, bis das Wasser verdampft ist.
Reduzieren, das ist was für mich. Ich könnte nämlich mein ganzes Leben lang rühren. Gemüse rühren, dem Dampf zugucken wie er aus der Pfanne hochsteigt, rühren und eine traurige Weise summen, rühren bis man ein Loch in die Pfanne gerührt hat. Deshalb brennen auch meine Speisen immer an.

Heute durfte ich jedoch rühren wie es mein Herz begehrt, denn heute machte ich diese Sauce, jedenfalls so wie sie durch den Sieb aus Birnenschnaps und Rotwein in meinem Gedächtnis hängengeblieben ist.
Eigentlich ganz einfach:
Etwas Olivenöl in eine, ich nenne sie jetzt mal Saucenpfanne, heiss werden lassen und dann 250ml Sahne hinzugeben. Dann köcheln lassen, auf kleiner Flamme. In der Zwischenzeit einen ganzen Würfel Gemüsebrühe in heisses Wasser verrühren, wenn der Wurfel dann aufgelöst ist, in die Saucenpfanne giessen. Und dann heisst es: Redukt! Rühren und rühren und köcheln lassen, bis es sich anfühlt wie ne Sauce.

Das war es schon, klingt nicht ganz so spannend und ist auch bestimmt ganz falsch zubereitet, aber Blumekohlknöllchen haben noch nie so sexy geschmeckt wie gerade eben. Noch nie.

Kochlöffel

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Fleischklumpen

Da nach den Kaminwurzen, der Speck nun auch fertig ist, und damit beinahe der ganze Fleischberg abgetragen, ist nur noch die eine leckere unbekannte Wurst übriggeblieben, die ich mir als besonderen Leckerbissen aufbewahren wollte.

Ich kenne diese Wurst nicht. Weder aus meiner Kindheit, noch von sonstigen Informationskanälen die mir momentan nicht einfallen. Aber da die Wurst im Überlebenspaket meiner Mutter enthalten war, muss es sich einfach um irgendwas traditionelles Südtirolerisches handeln. Bestimmt sone Bergbauerwurst vom Vinschgau, oder pustertaler Delikatesse mit wenig Fett für die neue Generation körperbewusster Knödlfresser wie mich.
Vorhin packte mich der Nachmittagshunger, bei uns auch Merende genannt, da schnitt ich die Wurst aus der Packung heraus und sah erstmal, dass es keine Wurst war, sondern ein geräuchertes Stück Fleisch. Ich war überrascht, konnte es der Form wegen aber nirgendwo einordnen. Rund, zwanzig Zentimeter lang, aus einem einzigen Stück Fleisch. Ein knochenloses Schweinebein, haha. Es roch vortrefflich, wie Speck, aber irgendwie frischer, mit einer leisen Andeutung von Pfefferminze. So schnitt ich mir ein Stueck ab und kaute ein Stück Apfel dazu. Ein wirklich wunderbares Stück Fleisch, dachte ich mir die ganze Zeit dabei, und nam noch ein Stück, während ich versuchte mir ein Bild zu machen was für Fleisch das wohl sein könne. So kaute ich, versunken in tiefster kulinarischen Erotik mit Blick auf die geräucherte Essensware, bis das Stück Fleisch vor mir Form anzunehmen schien. Und prompt spuckte ich es aus meinem Mund! Ein Ochsenpimmel war das! Der Penis einer männlichen Kuh. Ich spülte meinen Mund mehrmals um, drückte die halbe Zahnpastentupe in meinen Rachen und massierte mit der Zunge meinen Gaumen, bis ich das Gefühl losgeworden war, den Schwanz eines Huftieres gekaut zu haben.

Der Schock löste sich aber bald, und ging gleich in Interesse über. Ich war mir der Sache mit dem Pimmel ja nicht ganz sicher. Vielleicht war es auch bloss ein äusserst raffiniert aus einem Kalb herausgeschnittener Muskelstrang. Das würde die konische Form erklären.
Doch die endgültige Antwort konnte nur Frau Mutter wissen. Also nahm ich das Telefon. Ging keiner ran. Natürlich.
Daher setzte ich mich an den Laptop und rief google zu Hilfe. Google, sag mir was zu “Wust Pimmel Südtirol“. Google fand tatsächlich was. Nichts hilfreiches, aber an erster Stelle meine eigene Seite. Huch, schreibe ich wirklich über solche Sachen? Ich schäme mich ja zutiefst.

Dann kam die Dame des Hauses, erblickte die Wurst und rief: “Ah, da habe ich gerade Bock drauf!”, schnappte sich das Messer und schnitt hinein. Ich gesellte mich zu ihr, und sagte ganz geheimnisvoll und unverbindlich, dass es eine äusserst leckere Wurst sei, aber sie solle erstmal reinbeissen. Nein, ich wollte sie nicht warnen, sie sollte ihr Urteil selbst fällen. Ich war mit meinem Peniswahn bestimmt bloss paranoide. Doch sie ist ein gewieftes Mädl und guckte mich mit einem argwöhnischen Blick an: “Sag mir bitte bevor ich reinbeisse, das was du zu sagen hast”.
“Och nee, ich hab mir bloss so meine Gedanken gemacht. Ist aber wirklich leckeres Fleisch.”
Ihr argwöhnischer, mittlerweile böse gewordener Blick klebte an mir wie die klebrige Zunge eines Chamäleons. Ich musste mit der Sprache rausrücken.
“Nunja die Form” sagte ich und machte eine wellenartige Bewegung über den Fleischklumpen. “Erinnert mich halt irgendwie an einen Penis eines grosse Tieres.”
Sie schmiss das Messer hin und nahm einen Meter Abstand von der Anrichte. Dann näherte sie sich behutsam dem Fleisch, begutachtete es kurz, und verliess dann die Küche.
Und nun liegt das Ding da verwaisd herum, niemand will es essen, und meine Mutter nimmt das Telefon immer noch nicht ab.

Wirsing erledigt

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Alice

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Geschenke fuer einen Dreissigjaehrigen

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Noch mehr Sex

Parmesankaese im Salat! Welch eine Entdeckung.
Das ist fast so viel Sex wie kleine Knoblauchstuecke in heisses Olivenoel zu schmeissen. Nur ein bisschen anders. Waehrend Knoblauch in heissem Olivenoel eher sinnlicher Sex ist, getraenkt in ewigdauernder Erotik, spielt Parmesankaese im Salat, in einer viel rauheren Liga. Wie ein schneller Fick. Feurig und nass vor Schweiss.
Ich bin gar kein so ein schlechter Liebhaber wie man meint.

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Suedtiroler Tirtlen

Da die Dame bei mir zuhause gestern ihren Geburtstag feierte und mir momentan bei den Geschenkideen etwas die Phantasie entlaufen ist, schenkte ich ihr gestern, neben Obstsalat zum Fruehstueck und oralem Sex auf Kommando (man verschenkt ja am liebsten was man selbst so gerne haette), zur Abwechslung mal eine suedtiroler kulinarische Spezialitaet.Tirtlen. Ich hab die selbst zwar noch nie zubereitet, aber als Kind habe ich sie immer verschlungen, als gaebe es sie nie mehr in meinem Leben. Tatsaechlich verabschiedete sich meine Oma dann in Richtung Himmel und da meine Mutter keine Titlen machen kann, ist meine Erinnerung an die letzten Tirtlen, mit Baumhuetten bauen und Maedchenzoepfe ziehen, in weiter Ferne untergegangen. Aber Frau Risottokoenigin rief letztens die Erinnerung an die Kindheit wieder hoch, und nun ist es soweit.

Rezept fuer suedtiroler Tirtlen mit Spinat und Topfen
(Oder zumindest: So wie ich sie mache)

Die meisten Leute werden wohl erstmal in den Laden gehen muessen, da ich davon ausgehe, dass nicht jeder die folgenden Zutaten im Hause hat, was Tirtlen wiederum fuer ein spontanes Essen mit Freunden mitten in der Nacht ungeeignet macht. Fuer naechtliche Essorgien empfehlen sich weiterhin Spaghetti. Jedenfalls, fuer 4 Personen muss das folgende auf den Einkaufsplan:

150 mg Weizenmehl
250 mg Roggenmehl
passierter Spinat
250mg Topfen (oder Quark)
Salz
Sonnenblumenoel
Zwiebeln

Als allererstes muss man einen Teig machen. Man nehme dazu das Mehl und das Wasser. Man kann auch zwei Essloeffel Oel mitgeben, und statt Wasser Milch eingiessen. Es muss ein fester Teig werden, der nicht klebt, also passt auf, nicht zuviel Wasser oder der Milch zu benutzen. Man kann sich lange darueber streiten wie man einen Teig macht, aber ich schmeisse die Teigzutaten in eine grossen Schuessel und fange an zu kneten, bis er einigermassen fest wird. Also, bis keine kleinen Stuecke mehr herumspritzen, sondern man den Teig ohne weiteres aus der Schuessel nehmen kann und damit knetend herumlaufen.
Habt ihr die Haende schon gewaschen? Gut, weil jetzt waere es zu spaet. Wenn man es vergessen hat, verschweigt man es besser, und waescht sich nach dem Teigkneten gleich stillschweigend die Haende. Aber es fragt eh niemand je danach. Wenn der Teig dann nicht mehr klebt, legt man ihn zurueck in die Schuessel, legt ein (sauberes) Tuch darueber und laesst ihn erstmal 30 Minuten ruhen. Wer beim Kochen Rotwein trinkt, sollte sich den Wein bis zu diesem Moment aufsparen, da man beim Teigkneten eh keine Haende frei hat, und man sonst dauernd auf das Glas schielt, wobei man es nicht trinken kann. Nachdem man den Wein eingeschenkt und die Zigarette angezuendet hat, gibt man sich der Fuellung hin. Es gibt da verschiedene Variationen. Im Pustertal nimmt man dazu auch oft Sauerkraut, aber meine Kindheit ist gepraegt von Spinat/Topfen Tirtlen, deshalb machen wir diese.
Hier in Hamburg hat man erstmal das Problem Topfen zu finden. Ich las jedoch, dass Topfen lediglich etwas trockener Quark ist. Also gab ich den Quark auf ein Kuechentuch und drueckte den Klumpen vorsichtig ueber die Spuele aus. Es ist erstaunlich, dass man da richtig drauflosdruecken kann und der Quark nicht durch den Stoff nach draussen tritt. Ganz berfriedigend ist diese Methode jedoch nicht, deshalb legte ich den Batzen nachher noch auf ein Stueck doppelgefaltetes Kuechenrollenpapier. und dann noch eine Lage darueber, und quetschte ihn platt. Das Papier saugt sich immer noch mit Wasser voll. Diesen Vorgang muss man mehrmals wiederholen, bis man das Gefuehl hat, dass er sich anfuehlt wie Topfen. Dann nimmt man einen Schluck Wein.
Lasst den Topfen ruhig so offen liegen bis er an der Reihe ist. Es kam mir so vor alsob er atmen muesse. Das kann auch Schwachsinn sein, aber geschadet hat es ihm nicht. Dann muessen die Zwiebeln ran. Zwiebeln gehoeren zwar standardmaessig nicht dazu, ich glaubte mich aber zu erinnern, dass meine Oma immer Zwiebeln nahm. Macht sie am besten gaaaahaanz klein und fein, und bratet sie dann mit ein klein wenig Olivenoel in einer Pfanne an. Nur ganz leicht. In einer anderen Pfanne oder Topf, gebt ihr den Spinat. Wenn ihr es richtig machen wollt, dann nehmt ihr Spinatblaetter und passiert den mit der Hand. Da ich aber nichts zum Passieren habe, und ueberdies gar nicht weiss wie das geht, kaufte ich gefrorenen und passierten Spinat. Den in eine Pfanne geben, damit er sich vom Eis loesen kann.
Bitte weder den Spinat, noch die Zwiebeln, noch den Topfen, mit Salz oder irgendwas anderes wuerzen. Den Teig selbst soll man gut salzen, aber wenn man die Fuellung auch noch salzt, dann wird es geschmacklich sehr schwere Kost. Das Geheimnis der Tirtlen ist die Mischung aus fettiger und schwerer Huelle, mit dem sanften, topfigen, ja gar erotischen Kern. Das ist Sex, also kein verdammtes Salz! Lieber noch einen Schluck Wein, damit man nicht auf dumme Gedanken kommt.
Die drei Fuellungskomponenten erstmal getrennt kalt werden lassen. Wenn man sie schon in warmem Zustand mischt, dann geht der Topfen zu sehr in das andere ueber und das ist nicht so gut glaube ich. Die Tirtlen aus meiner Kindheit hatten wirklich so kleine Klumpen, kann ich mich erinnern. Nachdem sie abgekuehlt sind, in eine Schuessel schmeissen, und das Ding richtig versohlen.
So,wenn die halbe Stunde fuer den Teig um ist, stellt man eine moeglich breite Pfanne mit ganz viel Oel auf den Herd. Mit ganz viel Oel meine ich ganz viel Oel. Also nicht bloss den Boden, sondern richtig dreifingerdick Oel reingeben. Das Ding muss eine Frittierpfanne imitieren. Wer eine Frittierpfanne hat, nimmt natuerlich die. Diese richtig heiss machen.
Und dann geht es wieder zurueck zum Teig. Mann nimmt dann am besten gleich drei, vier, fuenf Schlucke Wein, da man sich jetzt wieder die Haende schmutzig macht. Am besten waere es natuerlich einen Kuechengehilfen zu haben, der einem dauernd den Pegel der Koerperfluessigkeit aufrecht erhaelt, aber damit sind die Gaeste ja ueberfordert.
Ziel der Sache ist es jedenfalls, kleine Scheiben von zehn Zentimetern im Durchmesser zu drehen. Dass ihr eine Unterlage braucht ist klar. Ich nahm ein Schneidebrett, das ist zwar etwas klein und man kommt sich auf den paar Quadratzentimetern vor wie ein Origamibastler, aber meine Kueche hat leider keine grossen Flaechen, Ich beschreibe es im Detail, da nicht jeder so geschickt mit Teig umgehen kann und fuer mich war es gestern das erste Mal dass ich ueberhaupt ein nudelholzaehnliches Werkzeug in die Hand genommen hatte (wenn man mal ausser acht laesst, dass der neunjaehrige Supermequito, ein Nudelholz als Geheimwaffe unter seinem Umhang trug und damit dem Boesen im letzten Moment damit ueberraschte, und die ganze Welt rettete), sodass es fuer aehnliche Anfaenger bestimmt hilfreich ist. Was haette ich gestern fuer solch eine detailierte Anleitung gegeben!
Erstmal muss man die Arbeitsflaeche mit Mehl einstaeuben, damit der Teig nicht an die Unterlage festklebt. Das habe ich bei meiner Oma gesehen. Dann ein kleines Baellchen nehmen und dies in das Mehl herumdrehen, und langsam plattkneten zu einem Runden Kreis formen. Achtet darauf, dass immer alles mehlig bleibt, sonst ist man die ganze Zeit damit beschaeftigt, den Teig von Fingern und Werkzeug zu entfernen. Jedenfalls war das bei meinem Teig so. Es kann sein, dass man mit mehr Erfahrung einen besseren Teig hinbekommt, aber das wird erst die Zukunft zeigen.
Dann steckt man den Korken der geoeffneten Weinflasche wieder zurueck in die Flasche und waelzt damit ueber den Teig, einen zehn Zentimeter breiten Kreis. Sie koennen auch groesser sein als zehn Zentimeter. Bei mir wurden sie auch groesser, aber ich glaube, das ultimative Ziel ist es schon, diese auf zehn Zentimeter runterzutrimmen.Der Tradition wegen. Und es ist einfacher sie im Oel umzudrehen, vor allem wenn man schmale Pfannen hat, so wie ich.
Ihr werdet merken, dass das Etikett der Weinflasche die Arbeit stoert. Nicht nur weil die Flasche anfaengt zu fuseln und sich Paierstuecke in den Teig mischen, das koennte man noch irgendwie vertuschen, sondern der Teig klebt sich am Papier viel schneller fest als auf dem Glas. Komisch, was? Ich haette auch gesagt, dass das Glas, wegen der glatten Oberflaeche, viel eher klebt. Leider ist es nicht so. Nun kann man natuerlich die Flasche unter heisses Wasser geben und das Etikett abschaelen, aber das ist wiederum so schlecht fuer den Wein. Bei uns in den Bergen hat man ja immer schwarzgebrannten Schnaps auf Lager, immer ohne Etikette, aber hier ist das ja nicht so. Dshalb heisst es schrubben. Ausser man hat noch weitere Flaschen Wein auf Lager, welch ein Glueck, und kann sie kurz ins heisse Wasser stellen.
Das hat den Vorteil, dass man die Haende wieder sauber hat, und noch ein Glas nachschenken kann. Die Pfanne mit Oel muesste inzwischen sehr heiss geworden sein, also schaltet man die Flamme besser aus. Ihr seid ja noch nicht soweit. Da es sehr warm geworden ist in der Kueche und alles sehr anstrengend ist, nimmt man gleich noch ein Glas Wein.
So, dann knetet und rollt man wieder. Man braucht fuer ein Tirtl mindesten zwei solcher Scheiben. Wenn zwei fertig sind, gibt man die Zwiebel/Topfen/Spinatmischung darauf, breitet sie mit einem Loeffel aus bis zu ein oder zwei Zentimeter vom Rand, gibt dann die andere Scheibe obendrauf und presst die Raender mit einer Gabel fest, damit es geschlossene Behaelter werden. Nun das Oel wieder auf hoechststand bringen und das Tirtl hineingeben und sich an das Naechste wagen. Ihr werdet merken, dass es mit jeder Scheibe schneller geht. Man muss sich nur an die Bewegung des Knetens und Formens gewoehnen.
Wenn das zweite Tirtl auch fertig ist, und ihr es zur Pfanne bringen wollt, werdet ihr leider sehen, dass das erste Tirtl in der Pfanne schon voellig schwarz geworden ist.Tja es geht sehr schnell. Das wusste ich auch nicht. Ich dachte das braucht bestimmt so lange wie Pommes. Deshalb macht man am besten erst die Tirtlen, und schmeisst sie erst nachher ins Oel.
Eigentlich war es das nun schon. Die Tirtlen muessen Goldbraun frittiert werden und koennen dann auf einem Teller gestapelt werden. Essen tut man sie mit Messer und Gabel, oder mit der Hand. Besondere Tischregeln gibt es dafuer nicht.
Schlecht ist es auch nicht, wenn man Salat dazu macht. Tirtlen sind etwas schwer, daher ist die Leichtigkeit des Salates eine willkommene Abwechslung. Zum Trinken ist Bier irgendwie besser als Wein. Aber kwatsch, das ist natuerlich Geschmackssache, jedoch kam es mir so vor, alsob Bier etwas neutraler schmeckt und man den erotischen Geschmack, dieser schwere Schale / sinnlicher Kern -Sache, besser zur Geltung kommen laesst.

Und zum Verdauen spielt man natuerlich eine Runde Schnelln.

Ueberdies sollte man vorher wissen, dass die Kueche nachher ein Saustall sein wird.

1. Dezember

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Es ist nur ein Ei. Oval, klein, wurde vor einiger Zeit von einer Henne gelegt und kam nachher ueber Umwege in meinem Kuehlschrank zurecht. Das kleine, unschuldige Ding hatte auch gar nichts boeses vor, haette ich es nicht verwaisen lassen, und nur ihre anderen fuenf Brueder, vor einiger Zeit, zu einem wunderbaren Ruehrei mit Schnittlauch und Champignons verarbeitet. “Vor einiger Zeit” dachte ich heute und rechnete die Zeit zurueck, um mir das letze Ruehreifruehstueck ins Gedaechtnis zu rufen. So zaehlte ich die Monate rueckwaerts, 3 2 1 schweins, und erinnerte mich an den warmen Fruehsommertag – ein Kater der sich anfuehlte wie ein Messer quer durch den Schaedel, und ich hatte eigentlich viel mehr Bock auf Pizza, aber da ich so fuerchterlich dreinschaute, konnte ich mich unmoeglich ausser Haus blicken lassen, und deshalb kurzerhand beschloss, die Eier zu nehmen welche ich einige Tage vorher gekauft hatte um Carbonara zu kochen. War es Juni? Oder war es gar im Mai? Der Mai war auch sehr warm glaube ich.
So wird das kleine, unschuldige Ding zur chemischen Waffe. Es ist schon Schade, dass gerade weit und breit keine Wahlen stattfinden. Ich werde es wohl noch eine Weile weiterzuechten, mein kleines, unschuldiges Ding.

antikoerper

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Die Zicke / moody princess

Mademoiselle Basilikum wurde von Tag zu Tag zickiger. Es fing damit an dass sie mein Singen nicht mehr mochte. Das kann ich noch gut haben, da sie nicht die erste ist, und ich dementsprechend abgehaertet bin. Und dann liess sie sich oefter haengen. Jaja ich weiss, die Sonne fehlt, aber wir koennen dadurch doch nicht alle gleich rumhaengen als haette es jahrelang nur geregnet. Und schon bald wurde alles nur noch schlimmer. Vergass ich sie mal zu waessern, ging sie beinahe ein. Gab ich ihr mal richtig viel, damit sie in durstigen Momenten genuegend Reserven hatte, weigerte sie schlichtweg das Wasser aufzusaugen, und liess einfach tagelang einen zwei Zentimeter hohen Wasserspiegel im Topf liegen. Bis sie gesternabend ploetzlich innerhalb einer Stunde alles aufsog. Heutemorgen wollte ich ihr wiedermal was vorsingen, dann erblicke ich sie schon von Weitem, voellig deprimiert vor sich hinhaengend und schrumpelig, als haette ich ihr das groesste erdenkliche Unrecht getan.
Ich mache da keine faxen. Waehlerische Leute mochte ich noch nie. Und wenn sie glaubt, die Prinzessin spielen zu muessen, dann ist sie bei mir am falschen Ort. Ich zeigte ihr das kleine Kartoffelmesser und drohte ich den Hals durchzuschneiden wenn sie weiter so launisch waere.
Eine Stunde spaeter verging mir die Geduld, schnitt sie in den Mixer, fuegte Knoblauch, Piniennuesse, Olivenoel und Salz hinzu, und zerschlug sie zu koestlichem Pesto. Alle Geduld hat ein Ende.

Risotto al Radicchio

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(2) ich versuch es wieder / I’m trying it again

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