[...]

Was der Geschichte vorausging: ich stand auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs und schmiss Münzen in den Automaten. Zwei Euro zehn, weil ich über den Ring fahren musste und danach umsteigen zum Ostbahnhof, da erschwindelt man sich keine Kurzstrecke zusammen, A/B-Karte also, Zweieurozehn statt der Einsdreißig. So stand ich auf dem Bahnsteig und schmiss beharrlich dieses Zwei-Euro-Stück durch den Schlitz, den mir der Automat folglich mit derselben Beharrlichkeit immer wieder ausspuckte. Da ich auf Geduldsfäden nie besonders lange Geige spielen kann, beschloss ich die Straßenbahn zu nehmen, denn als gut geölter (Eher-brennt-die-)BVG-Kunde weiß ich, dass ich über die Straßenbahnroute lediglich 3 Minuten länger brauche, und der BVG-O-Mat somit eine zweite Chance meine Münze zu schlucken bekam.
Es ist als Lesender nicht sonderlich schwer vorauszusehen, dass ich daraufhin in der fahrenden Straßenbahn stand und beharrlich dieses Zwei-Euro-Stück in den Schlitz warf, das mir der Automat ebenso beharrlich wieder ausspuckte. Und so spuckte ich auf die BVG, denn bevor irgendwelche Saiten reißen und ich gezwungen werde andere Fäden aufzuziehen, beschloss ich, mich hinzusetzen und guten Gewissens aus dem Fenster zu schauen.
Und an dieser Stelle ist es noch einfacher zu ahnen was dann geschah.
Draußen schien nämlich die Sonne ziemlich gelb und in der Straßenbahn rief jemand: Fahrscheine bitte!
Es gibt da so Momente die mag man nicht.
Die Passagiere suchten dann nach ihren Fahrscheinen. Und ich suchte nach meiner inkompatiblen Münze.
Die BVG-Dame war unfreundlich, sie raunzte von Weitem schon und während ich wartete und den Moment verfluchte, wiegte ich die Münze in der Hand, der besseren Zeiten wegen, und während ich so an die besseren Zeiten dachte, las ich “Repubblica Italiana” auf meiner Münze und ich sagte mir: witzig das, denkst an bessere Zeiten und hältst dabei eine italienische Zwei-Euro-Münze in der Hand, als ob das jetzt etwas Gutes bedeuten würde.
Das bedeutete selbstredend nichts Gutes. Damals in den alten, guten Zeiten, ende 2001, lachte ich nämlich über das neue Geld: Hehe, schau, die 2 Euro sehen aus wie Fünfhundert Lire.
Tja, so war das dann.
500 Lire in der Hand aber kein Ticket, und die unfreundliche BVG-Dame schnaufend neben mir.
Ich hielt ihr die Zweieurozehn im Wert von 35 Cent vor die Nase und log ihr geradewegs ins Gesicht.
Die BVG-Dame schaute lange in meine Hand. Und dann. Dann befahl mich zu Ihrem -O-Maten. Das müsse ich ihr jetzt mal zeigen.

Und damit kommen wir zum Hauptteil der Geschichte: Stecken und spucken.
Ich steckte die Münze in den Schlitz und der O-Mat spuckte ihn wieder aus.
Die BVG-Dame sagte: Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich sagte zur BVG-Dame: ich steck die Münze jetzt nicht mehr in den Schlitz, und dann ging sie zum O-Maten und wurde auf die selbe Weise angespuckt wie ich.
Jeht nicht, sagte sie.
Dochdoch, dat jeht schon, sagte ich.
Wir sind uns also einig, sagte sie.
Wir waren uns einig.
Und komm mir jetzt bloß nicht auf den Gedanken die Münze genauer anzusehen. Das dachte ich. Was ich aber sagte: Ich muss Alexanderplatz umsteigen, dann kaufe ich für die S-Bahn eine Karte.
Damit hatte sie Frieden.

Einen Epilog soll es noch geben, damit der ganze Kram irgendwie dreiteilig Gegliedert ist. Ich habe da so meine Monkitäten.
Und der Epilog geht so: ich hatte am Alex natürlich vergessen eine Karte zu kaufen und bin schwarz wie ein Kohlehydrat mit meiner Zaubermünze zum Ostbahnhof gefahren. Später am Mittagstisch erzählte ich die Geschichte meinen Kollegen. Der Chef wollte die 500 Lire sehen und sagte, sein Sohn sei großer Italien-Fan, ob er mir die Münze abkaufen könne, wieviel sie denn Wert sei. Ich sagte zwei Euro, er sagte: hehe, ich sagte: hehe, wir alle sagten: hehe. Und dann sagte ich: Lass sein, ich schenke sie ihm.
Und so sind wir auch bei der Moral der Geschichte angekommen: irgendwie alles gut immer.

[catalina.sh]

Ich weiss gar nicht ob hier überhaupt technisch versierte Leute mitlesen, vielleicht ja doch, wegen der Algorythmen Nägel in meiner Sprache, oder der vielen Wörter die man so schön skalieren lassen kann.
Falls doch, dann gäbe es für Leute die Ahnung von Tomcat/Apache/Linux haben, einen ziemlich tollen Job in einer ziemlich coolen Firma mit einer ziemlich guten Kaffeemaschine.
Der Emailknopf ist rechts oben.

[...]

Verstehe einer warum sie über dem Unterkleid noch etwas trägt.

[...]

Wegen der vielen Dinge die es nach meiner Rückkehr zu tun gab dann doch nicht mehr dazu gekommen München zu beschreiben, was schade ist weil München wirklich schön ist, wobei ich früher womöglich gesagt hätte: glaubicheuchglaubicheuch, muss aber nicht hin. Weil mir Bayern immer ein bisschen zu bayrisch ist. Jetzt habe ich mehr als nur den Hauptbahnhof gesehen, ich wurde von Frau Klugscheisser dermassen kompetent durch die Stadt gejagt, dass ich sie richtig mag. Die Stadt jetzt. Dass zwischen ihr und mir nichts gelaufen ist, hat sie schon in ihrem Eintrag verraten. Dem Gerüchtebrauhaus somit Hopfen und Malz entzogen.

Und so kam ich nach Berlin zurück und wollte München und ihre allerbeste Reiseführerfrau huldigen, schrieb am ersten Tag: Jetzt habe ich alles von München gesehen, blieb dann ein bisschen hängen, ging dann ins Büro, strich den Satz wieder durch, schrieb am nächsten Tag Jetzt habe ich alles von München gesehen, dachte an das Maximilianissimum, den Todesengel, die Siegeshalle, das Ruhmestor, rebootete meinen Rechner einmal, besuchte ein paar Meetings, strich den Satz dann wieder, schrieb am nächsten Tag: Jetzt habe ich alles von München gesehen, und dann dachte ich mir zwischen Meeting1 und Meeting2, dass München schon ziemlich toll ist, zu nahe an Italien vielleicht und zu nahe an den Alpen auch, aber durch und durch schön. Natürlich wusste ich um meinen verklärten Blick auf die Stadt, Frau Klugscheisser fuhr nämlich lange Umwege um auf Tore und Paläste zuzusteuern, damit ich die königlichen Dimensionen der Stadt begriff, wahrlich majestiziös, und irgendwann strich in den Satz dann wieder durch. Und ich schrieb am nächsten Tag: Jetzt habe ich alles von München gesehen. Und dann war eine Woche um.
Dafür streiche ich den Satz jetzt nicht mehr durch.

[...]








[Notizen aus der Heimat]

Im Zug vom Brenner nach Bozen, in diesem neuen Tunnel, weiß gar nicht wie lange der ist, weiß nur, dass man zwischen Brenner und Bozen irgendwann Ewigkeiten im Tunnel sitzt, so lange, daß wir vor vielen Jahren einmal Sex im Abteil hatten, weil man das Licht damals einfach ausgeschaltet lassen konnte, anders als heute wo alles zentralisiert geworden scheint, aber genau: im Zug vom Brenner nach Bozen, in diesem ewiglangen neuen Tunnel, kamen wir dann zu stehen. Wegen eines entgleisten Güterzuges bei Blumau, in zwanzig Minuten, so die sinnliche Durchsage der Trenitaliadame, ginge es weiter, und wie der gesamte Wagoninhalt beim Wort “zwanzig” aufstöhnte, das hatte was, andernorts würde man jetzt sagen “diedeutschebahnwieder”, diesmal vernahm ich etwas von “trenitalia”, und das Stöhnen war noch viel genervter, vielleicht auch routinierter, das klingt in Italien oft ähnlich, Theatralik vielleicht, aber egal: wir kamen in diesem ewiglangen neuen Tunnel zu stehen und die zwanzig Minuten waren volle 1200 Sekunden, Sekunden die ich erst als Minuten zählte, wegen dem tiefen Loch unter der Erde in dem ich mich befand, wegen der Unruhe in der Erde, weil die Erde numal bebt und dicke Massen Erdkruste bewegt und Menschen darunter begräbt, oder wegen der Feuer, weil Güterzüge tief im Erdboden immerimmer in Flammen aufgehen, weil die Sekunden dort drinnen zu riesigen schwerfälligen Monstern werden die man nur durch langsamem Atmen wieder normal zu ticken kriegt oder indem man schlichtweg stirbt.

Nachdem ich zwanzig Lichtjahre langsam geatmet hatte, und nach diesen zwanzig Lichtjahren bemerkte, dass ich tatsächlich noch lebte, weil mich die Trenitaliadame mit einer erneuten Durchsage aus den Lautsprecherboxen ins Leben zurückrief, was mich erst ungemein erfreute, der Wiedergeburt wegen, wusste sie allerdings nur die nächste schlechte Nachricht zu verkünden: die weiteren 30 Minuten im Loch.
Dreissig Minuten.
Tausendachthundert Lichtjahre.

Dann begann ich einenn Abschiedsbrief zu schreiben:

[...]

***

Und dann in den kargen Hochflächen von Puez, dort wo meine halbe Verwandschaft umgekommen ist.
Neinnein, sagt meine Mutter, dort ist niemand umgekommen.
Dochdoch, sage ich, der Karl wurde hinter Puez vom Blitz getroffen, und noch irgendjemand, war es nicht der Sohn vom Sepp, ah nein ich weiss es wieder: mein Deutschlehrer aus der Brixner Zeit.
Stimmt sagt sie, aber halbe Verwandschaft ist das nicht.
Egal, sage ich, solche Sachen erzähle ich den Leuten im Internet immer, die mögen sowas.
Soso, sagt sie, komische Leute da.
Ein bisschen vielleicht, sage ich.
Wir fahren mit dem Auto auf das Grödner Joch um von da aus über den Kamm der Cir-Spitzen hinten hinaus auf die Hochfläche von Puez zu gelangen. Wir wollen bis zur Puezhütte und dann wieder zurück. 6 Stunden sagt meine Mutter. 8 Stunden sagt die Wirtin auf dem Grödner Joch. Meine Mutter und die Wirtin diskutieren über die Zeiten, schließlich einigen sie sich auf 7 Stunden.
Wir werden ziemlich genau sieben Stunden dafür brauchen.
Meine Mutter wird keine Pausen erlauben.
Die Wirtin sagt, die Route sei wirklich sehr schön, nur zweifelt sie, ob heute das Wetter hält.
Halten wiederhole ich und denke mir, dass haltendes Wetter so viel schöner ist als bleibendes Wetter. Wenn das Wetter bleibt, dann hat das immer etwas leidenschaftsloses, als würde man abwarten, und natürlich hoffen, weil hoffen, das tut man ja immer am Ende, aber haltendes Wetter, wenn man das bloß ausspricht hängt das Wetter schon richtig in den Gipfeln der Berge, in den Zipfeln der Bäume, in den Wipfeln der hochtrabenden Flausen in meinem Kopf.
Und wenn es sich losbricht, dann ist Gewitter.

***

Baumgrenze Baumgrenze Baumgrenze. Es gibt wenig Schöneres als die Baumgrenze. Wenn ab 2000m Meereshöhe die Bäume langsam verschwinden. Wie die Welt sich auf einmal weitet, wie man die verschwenderische und übermäßige Flora hinter sich läßt, nur noch von den exzentrischen Minimalisten, den kleineren Blümchen, Sträuchen, auf dem Weg nach oben in die Felsen begleitet wird, dorthin wo dann nichts mehr gedeiht bis auf einzelne Gräser und der Tod, dorthin wo nur noch schwarze Dohlen über mein Schinkenbrötchen kreisen.

***

Ich stand alleine im Regen und kämpfte mit dem Grillfeuer gegen das Wetter. Gegen Tropfen so groß wie Katzen die uns in die Kohlen klatschten. Von der überdachten Veranda aus sah uns die Party zu und rief vergnügt: Laß es sein, laß es sein, es bringt nichts.
Doch was hier gebracht wird, beschließe immer noch ich, Grillen ist schließlich kein Spaß [...]

[heimat]

Ich hätte auch ein Foto von mir am Gipfelkreuz. Aber Gipfelkreuz steht mir irgendwie nicht.
[Was vom Bergsteigen bleibt ist Reichtum neuer und unüblicher Ideen und übelstlicher Muskelkater]

[peng]

Als hätte ich wie ein kleiner Spatz auf einem Ast gesessen und fröhlich gezwitschert, so sehr habe ich letzten Freitag auf mich geschossen, mit Kanonen nämlich, der Vergleich gefiel mir immer gut, das Wegpusten, die Unverhältnismäßigkeit, doch hätte es durchaus gnädiger ablaufen können, mit ein paar Bierchen beispielweise und zum Abschluß womöglich ein Gläschen Wein, stattdessen strömten die paar leergesogenen Fässer Bier längst schon im Blut und die Hektoliter Rotwein flausten (?) im Kopf, als ich Zutritt zur Whiskybar bekam und zu jenem Zeitpunkt war ich längst kein Spätzchen mehr auf einem Ast, sondern eine ziemlich hohle Tontaube die frei zum Abschuß durch die feiernde Menschenmenge kullerte, und Kanonenkugeln auf Tontauben abzuschießen ist natürlich nicht ganz so übertrieben wie auf Spatzen, doch das muss man erstmal verstehen, weilichweilichweilich, weil ich nach der ersten Kanonenkugel gar nichts mehr hören konnte, und die dreivier Folgenden erst am nächsten Tag erahnte, so stand ich dann bei Morgengrauen als einer der letzten drei Partygäste vor der Haustüre, war erstens eine Tontaube, hatte zweitens keinen Ton mehr in den Ohren, drittens war da plötzlich eine Meise in meinem Kopf und es weiß Gottnichtmal wo die nun hergekommen war und viertens war ich abgeschossen, lag ich sozusagen zersplittert am Boden, doch weil ich noch glaubte zu flattern stehen, fuhren wir auf dem Fahrrad auf der Suche nach einem Café. Auf der Suche nach Kaffee. Glücklicherweise.

Danach war ich vier Tage deprimiert und müde und leidenschaftslos und traurig und freudlos und lebensunfroh. Die Chemie. Heute gehts mir wieder.

[Kultur]

Morgen Abend lese ich bei der Lesebühne Rakete 2000 im Ä. Weserstraße 40 (Berlin-Neukölln ist dat), um 21Uhr.
Zusammen mit Lea Streisand und Mareike Barmeyer.
Eintritt ist frei oder so ähnlich.

Die Sopranisse bloggt live über Klagenfurt2.0 Bachmannpreis08 aka TDDL’08.

(Noch wer? ich kanns mir heute ja nicht ansehen)

Wir standen im südlichen Neuköln auf dem Balkon und schauten auf die Herrmannstrasse hinunter den Autos nach, wie sie sich Seit an Seit auf zwei Spuren als endlose hupende Blechraupe nach Kreuzberg vorschoben, nach Schöneberg, Mitte, hauptsache rein ins Fruchtfleisch, sie hielten Fahnen hinaus, der weisse Halbmond wollte gefeiert werden, wegen Halbfüünale, das war wie vor zwei Jahren als die ganze Welt auf Deutschlanddeutschland schaute, wie dieses merkwürdige Nationalgefühl heraufkam, das sich über weite Strecken hinweg wie etwas Gesundes anfühlte, wie Orangensaft zum Beispiel (der empfohlene Tagesbedarf [gedeckt]), was vielleicht aber einfach dieses Gefühl war, wir Deutschen sind gar nicht die, die nie und nimmer keine eigenen Lieder singen können, wir sind gar nicht die, die unablässig so sind, wie Krauts nun eben sind und zu sein haben, und das in jeder Situation, in jedem Licht, in jedem Zwielicht, und vor allem als Nichtdeutscher hat mich das so sehr berührt, dass mir öfter mal das wir von den Lippen gekommen ist, und mir sind die Deutschen in der Ferne so oft begegnet, wobei ich immer ein wenig Mitleid hatte, und daher verstehe ich auch nicht richtig woher das Bild der deutschen Überheblichkeit gekommen ist, das so viele zu haben glauben, mir taten sie immer leid, mit diesem schamvollen Unterton im I’m from germany, während die Iren und die Engländer und die Spanier inbrünstig: I’m irish, english, espanish waren, Projektionsfläche für Zusammenrottungen womöglich, aber über Nationalismen will ich gar nicht reden, wohin ich eigentlich will: die Blechraupe in der Herrmannstrasse war das Türkiyetürkiye auf das ganz Deutschland zu schauen schien, diese merkwürdige Nationalfreude die heraufkam, was vielleicht aber einfach dieses Gefühl war, wir Türken sind gar nicht die, die ie und immer nur Dönerfleisch schneiden und unsere Kinder nicht richtig erziehen, und dieses wir fiel mir jetzt ein bisschen schwer, womöglich weil ich ausgewachsenen Nationalstolz dann doch nicht mag, wobei ich mich jetzt frage was genau ausgewachsen daran ist, wenn ich an den Kollegen denke, den ich mir vor wenigen Wochen noch vorgeknöpft habe, der auf meine Frage hin, dass ich seinen Familiennamen sehr möge, woher der stamme, dieser sich aus der Frage herausdrehte und -wand, bis ich ihm ein äußerst beschämtes Türkei aus der Nase zog.

Letzten Freitag, nachts, standen wir jedenfalls auf dem Balkon im südlichen Neuköln und schwiegen. Es muss wohl eine Stunde gewesen sein, in der wir vielleicht fünf Worte wechselten, während wir ihnen nachschauten, mit dieser merkwürdigen Ahnung, und das nichtmal wegen den Scherben, wegen den brennenden Autos, sondern wie man tief enttäuscht über die rosigen Erinnerungen von vor zwei Jahren, sagen wird: hey wir hatten uns doch alle zusammen gefreut.
Egal wo und wieviele Bälle versenkt werden.

[Dabei ist mir das ethnische Zusammenleben ziemlich wurscht]

Die Nacht war furchtbar. Bis auf die Kaffeemaschine die uns wirklich megaggroße Dienste leistete, bis auf den einen Aussetzer bei dem wir alle wie gleichgeschaltet, schlechte Laune bekamen, bis auf K., der keinen Kaffee trinkt, weil K. nur Tee trinkt, bis auf die verantwortungslos vertriebenen Marken, wegen dem Gespür für den größeren Kontext den man heutzutage den Menschen so gut vermitteln kann, bis auf die Putzdame, die sich zu unserer Runde an der Kaffeemaschine gesellte, und so gar nichts von besseren Gehältern wissen wollte, bis auf ihr eigenes und das der Friseurinnen, weil wir sonst von Harztvier leben müssen, bis auf die Faulen, die hätten es verdient.

Radicchio in Ostberlin ist ungefähr so schwierig zu finden wie Raditscho in Ostberlin.

Den vierten Teil von Indiana Jones geträumt. Dieser handelt von einem kleinen Jungen der seinen Pandabären behalten möchte und Indie (wie Indiana sich gerne nennt) wird ihm dabei helfen. Ein langer Rechtsstreit mit Flamboyanten Reden folgt.

(Und das Ende verrate ich natürlich nicht)

[tribbel iii]

Wochenlang, monatelang lief ich drumherum, hob es auf, sah es mir von unten an, von der Seite, immer wieder kam ich dafür zurück– und jetzt könnte ich das alles weiterhin als wilde Jagd darstellen, weil es auch wirklich so gewesen ist, ein bisschen wenigstens, wie ich um das Gerät herumschlich, mich also heranpirschte, und Sachen murmelte wie: 900 Gramm, ein Traum! Doch das tue ich nicht, es als Jagd darzustellen ist albern, es gibt subtilere Mittel Spannung aufzubauen, zudem muss nicht immer alles spannend sein, viele wollen lieber Herzensdinge, und damit sind jetzt keine Bypässe gemeint, sondern Herzklappenfehler, wegen dem Zurückrudern, weil ich haderte und zaderte, weil: ich brauchte ja keinen neuen Laptop ich brauchte ein elektrisches Notizbuch, ha, und genau an dieser Stelle wurde meine Brieftasche locker, ein Notebook! Das war es ja, und nicht viel mehr, ein Zwohundertneunundneunzig Euro Notizbuch in das man tippen kann und ein bisschen ins Internet zu dingsen, und mehr braucht man nicht wenn man unterwegs ist oder im Park sitzt, zudem, 900Gramm ist zwar ein wenig schwerer als mein Notizbuch, aber genauso klein, nur ist das Notizbuch lediglich zum – genau: Notizen aufzeichnen, ein kleines elektrisches Minidings aber zum richtigen Arbeiten, ganze Textlappen rumzuschleppen, und ja, die Tasten liegen ein wenig eng beinander, aber meine Finger sind gerade noch unwurstig genug, und der Bildschirm ist nicht so klein wie man denkt, reicht zum Schreiben und Lesen vollkommen aus, und jetzt habe ich ihn dermassen oft gestreichelt und wild davon geträumt und mir bei langen Fahrten in der Sbahn gewünscht ich würde so ein verdammtes Spielzeug Arbeitsutensil bei mir haben, dass ich jetzt einfach in den Laden gegangen bin und das Geld hingeblättert habe. Ich bin hingerissen.

Die Daten.

[punktpunktpunkt]

Und dann dieser Schreck jeden Morgen wenn ich in mein Blog schaue und mir der Mek dort ins Gesicht springt, gleich dreifach und mit Pornobalken, dann denke ich mir jedesmal während des Keinezeithabens, dass ich nun wirklich die Fotos nach unten hin wegschreiben müsse, offensiv Verdrängen sozusagen, da hilft es auch nicht, dass meine zuckersüße Schwester aus den Bildern schnüfft.
Deshalb viele Absätze. Und Trennstriche.

Überhaupt Trennstriche. Trenntakel. Trentenne. Quarantenne. Quarantäne.
Eine Postkarte aus Schweden bekommen die vieles wackeln hat lassen. Dieses Unvermögen Gefühle zu lenken, nur ruhen lassen und alles wachsen lassen das geht, dabei will ich immer fühlen fühlen fühlen. Und es mir so erklärt, ich wolle nicht sehr-viel-fühlen, und auch nicht verdammt-viel-fühlen, und nein, auch nicht so-viel-fühlen-bis-es-brennt. Sondern ich wolle fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen fühlen. FÜHLEN FÜHLEN FÜHLEN. Bis es brennt brennt brennt.

Und dann vollkommen zum Emogirl verkommen.
(Immerhin gibts da tolle Frisuren)

Wenn er das Gericht bestellt und sich dabei die Lieblingsspeise des Koches wünscht, sagt, er wolle das was der Koch sich Abends nach einem harten Tag in der Küche kocht.
Der Kellner bringt Pasta dello Chef.

Der schönste Moment war wohl als der Blumenstrauß vom Publikum nach vorne gereicht wurde, und hey, ich konnte das alles auch nur sehen weil ich ganz vorne links oben auf der Tribüne saß, und im Tempodrom sitzt man dann sozusagen direkt auf der Bühne, man sieht der Menschenmasse ihr ganzes breites Gesicht und auch die Lampen die blenden, und da sah ich also auch den Blumestrauß einem Stagediver gleich vom Publikum nach vorne gereicht werden, Schwarmintelligenz, wie Ameisen wenn sie Blätter abtransportieren, kam dieser Blumenstrauß in langsamen Wellenbewegungen über die Köpfe hinweg nach vorne auf die Bühne, und Nick sang erst von den Gründen warum er nicht hier sei, um dann zu erläutern, that I’m down here for your soul.

Ich habe es schonmal so oder ähnlich gesagt. Der Berliner ihr Spatz ist ein superklasse Vogel. Jetzt stehts sogar im Tagesspiegel. So ähnlich jedenfalls. Finnick klasse.

Und weil wir schon beim wilden Rumverlinken sind: Goetz’ Klage kommt auf Papier. Des weiteren nicht spektakulär, nur: Rasierklingen-Schriftsteller. Wie tragisch sich die Bilder einprägen, oder, haha, -ritzen.

Und wie Du Recht hast. Die Bilder.

[...]

Wir spazierten durch die häßlichsten Ecken Schönebergs und redeten von den kleinen Dingen, [...]

Wir liefen durch die häßlichsten Ecken in Schöneberg und redeten von den vielen großen Dingen, [...]

Wir spazierten durch die häßlichsten Ecken Schönebergs und redeten von den vielen kaputten Dingen [...]

Wir liefen um die häßlichsten Ecken Schönebergs herum und redeten darüber wie das so ist, zwischen Schwester und Bruder. Wie wenig wir voneinander hatten in all den Jahren, und es war vor allem dieses Haben das mich dann ein wenig elektrisierte, als würde man sich kleine Denkmäler kneten wollen um der einzelnen Stationen zu gedenken, Standbilder zu haben von den verpassten Momenten, jene kleine Momente die erst in der Retrospektive so wichtig werden, wasweissich, die erste Kippe, der erste Scheißkater, und die großen Anfälle von Freude, weil bis auf das Sentiment wenig greifbares war.

Jetzt habe ich sie erstmal zurückgebracht zum Flughafen.
Aber sie hat ihren Koffer stehen lassen.



[Flamen]

Später war ich ja richtig froh darüber, dass sie sich dieses andere Kleid übergezogen hatte, weil vorher, da war alles ein bisschen zu viel Oberschenkel gewesen, und ich habe ja diese Schwäche. Beinahe neigte ich dazu es lediglich als erotische Darstellung zu betrachten, eine künstlerische Form des Striptease, das seidene Kleid spannte sich nämlich straff um ihre Hüften als sie breitbeinig ihren Hintern ins Publikum streckte, und das tat sie andauernd, und ich sagte zu meiner Begleitung, dass das schon eine Art Striptease sei, dieses Flamenco, nur halt mit der besseren Musik, zudem behielte sie die Kleider an, und die Sache mit dem Klatschen und dem Stampfen, das möge ich ja sehr, doch meine Begleitung sagte: kwatschkrams, die Dame auf der Bühne würde bloss Geschichten erzählen. Geschichten, wiederholte ich und [...]

[gesucht: lost]

da ich meinen Lost-Partner verloren habe, und es für mich vollends unmöglich ist Lost alleine zu schauen, weil ich nachher oftmals aufgewühlt bin und immer jemanden brauche das ganze Geschehen neu zu ordnen und zu falten, doch sonst niemand aus meinem Umfeld wissen will was mit OceanicFlight so geschieht, muss mein Blog jetzt herhalten:

Jemand da der einmal wöchentlich die neuen (die ganzganz neuen, also ab Staffel 4, Folge 11) Folgen mit mir schauen möchte? Meistens am Wochenende, bald nach Erscheinen in den US. Ich kümmere mich um die Beschaffung.

Rechts oben ist so ein Emailknopf.
Würde mich sehr freuen.

[Zinnowitz, Usedom]

I.
angekommen
Pizza gegessen
auf dem Pier gelaufen
Bier getrunken
ins Bett gefallen

II.
aufgestanden
gefrühstückt
spaziert (am Strand)
zu Mittag gegessen
am Strand den Wellen zugesehen
zu Abend gegessen
Ardbeg getrunken
Bier getrunken
Ardbeg getrunken
ins Bett gefallen

III.
aufgestanden
gefrühstückt
mit dem Fahrrad nach Peenemünde gefahren
Eis gegessen
Kaffee getrunken
zu Mittag gegessen
am Strand den Wellen zugesehen
mir ausgemalt wie es wäre einfach hier sitzenzubleiben, tagein tagaus hier sitzen, nach rechts sehen wenn die Sonne aufgeht und nach links zum Abschied am Abend, und in der Zeit dazwischen den Wellen zuschauen, wie diese einander verfolgen und beim Brechen übereinanderherfallen wie zwei kleine Hunde beim Spielen, hin und wieder bliesse der Wind und ich würde die Augen schließen, und dann die Augen geschlossen lassen, weil die Sonne so schön leicht darauf drückte, und ich danach beim Blinzeln den schwarzen Fleck an der Brandung zu erkennen versuchte, ob es nun ein Hund sei oder ein angespülter Baumstamm, und dann sähe ich hinunter zu meinen Füßen, wo ein kleines Mädchen mit einer grünen Gießkanne stünde und mir meine eingegrabenen Füße gösse, und ich würde sagen, Hey Mädchen, irgendwie gefällt mir das nicht, und das Mädchen würde mich ein bisschen traurig ansehen, wegen der vielen Blätter die ich beim Empörtsein verloren hätte, sie sagt ich sei aber schon ganz trocken, und meine Wurzeln lägen auch schon blank, doch ich würde sagen es sei noch nicht so schlimm, siehe da, und ich würde an meinen Füßen rütteln, und hinzufügen, dass ich ja noch fest im Sand verwurzelt sei, keine Sorge also, es sei alles gut [...]
zu Abend gegessen
Ardbeg getrunken
Bier getrunken
Bier getrunken
ins Bett gefallen

IV.
aufgestanden
gefrühstückt
den Wellen zugesehen
zum Bahnhof gelaufen